Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences

Trinkwasser-Initiative

25.03.2019

Die Volksinitiative "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung" (Trinkwasser-Initiative) ist eine Zwangsjacke für die Schweizer Landwirte. Sie ist fortschritts- und innovationsfeindlich. Sie bedeutet das Ende der von der Bevölkerung gewünschten regionalen Nahrungsmittelproduktion in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen.

Position der Industriegruppe Agrar von scienceindustries

Die Trinkwasser-Initiative knüpft Direktzahlungen und Subventionen für die Landwirtschaft an drei Bedingungen:

  • Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden
  • Verzicht auf prophylaktischen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung
  • Verzicht auf Zukauf von Futtermitteln.

Unsachlicher Angriff an die Schweizer Landwirtschaft

Pflanzenschutzmittel sind ein zentrales Element, damit der Artikel 104a BV zur Ernährungssicherheit erfüllt werden kann. Die sichere Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit einheimischen Lebensmitteln wäre ohne Pflanzenschutz nicht möglich. Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen von einem Ertragsrückgang bis 40 Prozent aus, wenn kein Pflanzenschutz betrieben wird. Diese Schätzungen gelten auch für die Schweiz. Bei Spezialkulturen wie Reben und Obst oder bei Kartoffeln und Gemüse müsste mit Totalausfällen gerechnet werden. Pflanzenschutzmittel tragen aber nicht nur dazu bei, höhere Erträge zu erreichen. Sie sichern die Qualität des Ernteguts und vermindern Ernteausfälle bei Vorverarbeitung, Transport und Lagerung, wo zusätzliche Verluste von bis zu 40 Prozent auftreten können. Ohne Pflanzenschutzmittel wären Lebensmittel weniger lange haltbar, was schlussendlich zu mehr Lebensmittelabfällen ("Food Waste") führen würde.

Umweltpolitischer Bumerang

Unbestritten ist die Klimaerwärmung eine der grössten globalen Herausforderungen. Wichtig zur Bekämpfung des Klimawandels ist die Reduktion des CO2-Ausstosses. Durch Umstellung auf biologischen Landbau können die Treibhausgasemissionen zum Teil reduziert werden. Damit geht allerdings auch ein Rückgang der Produktivität einher. Werden die Treibhausgasemissionen auf die produzierte Einheit bezogen (z. B. Tonne Weizen), schneidet nämlich punkto CO2-Ausstosses die Bioproduktion meistens schlechter ab als die konventionelle Landwirtschaft. Moderner Pflanzenschutz wirkt sich auch auf den Boden positiv aus. So schützen die höheren Flächenerträge vor einer noch grösseren Inanspruchnahme dieser knappen Ressourcen. Moderne Direktsaat-Techniken, bei dem der Acker vor der Aussaat nicht gepflügt wird und das natürliche Bodengefüge deswegen erhalten bleibt, würden ohne Herbizide nicht funktionieren. Auch Punkto Energieeffizienz bleibt die konventionelle Landwirtschaft weiterhin konkurrenzlos.

Gefährlich für den Forschungsstandort Schweiz

Die Schweiz hat eine lange Tradition in der Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln, chemischen Spezialitäten und Life Science-Produkten. Schweizer Firmen tragen mit ihren Entwicklungen dazu bei, dass der Pflanzenschutz immer sicherer und nachhaltiger wird. Anreize für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sind ein schlechtes Signal für eine wichtige und erfolgreiche Forschungsindustrie. Auch die öffentliche Forschung wäre betroffen: Bei Annahme der Initiative wäre die Forschung zu einem effizienteren Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Schweiz nicht mehr förderfähig.

Deutlich weniger Innovationen

Innovationen für einen effizienten und nachhaltigen Pflanzenschutzmitteleinsatz würden die Schweiz nicht mehr erreichen. Bereits heute sind die Hürden bei der Zulassung und Vermarktung von Pflanzenschutzmitteln sehr hoch. Mit Annahme der Initiative würden global tätige Unternehmen von einem Zulassungsantrag neuer Wirkstoffe in dem vergleichsweise kleinen und kleiner werdenden Agrarmarkt Schweiz künftig absehen.

Direkter Schaden für Bio-Bauern und Bio-Markt

Die Initiative träfe Biobauern und den inländischen Biomarkt sehr hart. Denn mittlerweile sind über 40 Prozent der Pflanzenschutzmittel, die in der Schweiz verkauft werden, für den Biolandbau zugelassen. Biobauern würden keine Direktzahlungen mehr erhalten, wenn sie ihre Pflanzen vor Schädlingen schützen.

Weniger und zudem teurere regionale Produkte

Ohne modernen Pflanzenschutz würde die regionale Produktion stark abnehmen; die Preise für landwirtschaftliche Produkte aus der Schweiz hingegen steigen. Es müssten viel mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden. Dies mit allen unerwünschten Nebenwirkungen auf die Volkswirtschaft und die Umwelt durch längere Transportwege.

Fazit: Die Trinkwasser-Initiative schadet der Industrie, den Bauern und den Konsumenten. Sie richtet volkswirtschaftlichen Schaden an und untergräbt das verfassungsmässige Ziel der Ernährungssicherheit. Sie schafft unnötige Regulierung und widerspricht den Grundsätzen der Nachhaltigkeit.


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