Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences

Dossiers - Tier- und Menschenversuchsverbot

Mit den 3R-Prinzipien Tierversuche weiter reduzieren

Refine, Reduce, Replace: Mit der Schaffung des 3R Kompetenzzentrums 3RCC übernehmen die pharmazeutische Industrie und die Hochschulen die Verantwortung für die Etablierung einer 3R-Kultur in der Schweiz. Darüber hinaus sind die forschenden Pharmaunternehmen bestrebt, ihre hohen Standards laufend weiterzuentwickeln.

01.12.2021

Die Forschung mit Tieren ist ein sehr emotionales Thema. Viele Menschen kritisieren die Forschung mit Tieren, wollen aber gleichzeitig Gewissheit, dass neue Medikamente oder andere Gesundheitsgüter die höchsten Qualitäts-, Wirksamkeits- und Sicherheitsstandards erfüllen. Diese Standards können ohne Tierversuche jedoch sehr oft gar nicht erst erreicht werden. Solche werden indes sehr gezielt durchgeführt: Sie kommen nur dort zum Tragen, wo sie aus wissenschaftlichen, ethischen und regulatorischen Gründen unerlässlich und nicht durch Alternativen ersetzbar sind. Die Schweiz hat denn auch eines der strengsten Tierschutzgesetze weltweit. So dürfen Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn es keine anerkannten Alternativen gibt. Die obligatorische Güterabwägung zwischen dem zu erwartenden Nutzen der Forschung und der Belastung der Tiere muss zudem zugunsten des Forschungsnutzens ausfallen. Andernfalls darf ein Versuch nicht durchgeführt werden, womit das Gesetz das Wohlergehen und die Würde des Tieres klar schützt.

Die 3R-Prinzipien verringerten Tierversuche und deren Belastungen

Darüber hinaus sind die forschenden Pharmaunternehmen bestrebt, Tierversuche zu minimieren und ihre hohen Standards durch konkrete Projekte laufend weiterzuentwickeln. Im Zentrum stehen hierbei die 3R-Prinzipien: Refine, Reduce, Replace. Die Stiftung Forschung 3R, die 1987 ins Leben gerufen wurde, unterstützte Forschungsprojekte, die zum Ziel haben, Methoden zu entwickeln, um Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der eingesetzten Versuchstiere zu verringern (Reduce) und die Belastung der Versuchstiere in Bezug auf Zucht, Transport, Haltung und Versuche zu minimieren (Refine).

Das nationale 3R-Kompetenzzentrum 3RCC wurde 2018 gegründet und löste die Stiftung Forschung 3R ab, um die Umsetzung der Prinzipien in der Industrie und an den Schweizer Universitäten zu unterstützen. Etwa 20% der Tiere werden für die Entwicklung und Prüfung von pharmazeutischen und chemischen Produkten gebraucht, während der Grossteil (64%) in der Grundlagenforschung eingesetzt werden. Das Kompetenzzentrum stellt Forschungsmittel zur Verfügung, unterstützt die Ausbildung von Studierenden der Biowissenschaften, überwacht den Fortschritt und stellt Informationen und Fachwissen zu 3R-Methoden und tierversuchsfreien Ansätzen zur Verfügung. Neben elf Hochschulen beteiligen sich auch der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz (Interpharma), der Schweizer Tierschutz sowie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärmedizin (BLV) am Zentrum. Mit der Schaffung des 3R Kompetenzzentrums 3RCC übernehmen die pharmazeutische Industrie und die Hochschulen die Verantwortung für die Etablierung einer 3R-Kultur in der Schweiz.   

Anzahl Tierversuche wurde erheblich reduziert, diese bleiben aber für die Forschung wichtig

All die genannten Akteure setzen sich seit 30 Jahren für die Anwendung dieser 3R-Prinzipien ein. Damit ist es seither gelungen, die Anzahl der Tierversuche von rund 2 Millionen auf unter 600‘000 pro Jahr zu senken und zusätzlich die Belastung der Tiere zu reduzieren. Und es wird an weiteren Methoden zur Reduktion von Tierversuchen geforscht. So hat beispielsweise ein Mitgliedsunternehmen von scienceindustries ein innovatives organoides Kulturmodell entwickelt, das aus menschlichem Darmgewebe gewonnen wird. Solche Organoide, die von Patientinnen und Patienten stammen, ermöglichen die Modellierung wichtiger Aspekte des menschlichen Körpers ausserhalb eines lebenden Organismus. Dieses System kann Tierversuche in mehreren Phasen der Arzneimittelentdeckung und -entwicklung ersetzen und ermöglicht eine genauere Übertragung auf den Menschen. Aber trotz solcher Beispiele und weiterer grosser Anstrengungen unserer Industrie, die Forschung mit Tieren nach Möglichkeit durch alternative Methoden zu ersetzen, wird die Entwicklung neuer, sicherer Gesundheitsgüter und Arzneimittel auch in absehbarer Zeit ohne den Einsatz von Tieren nicht möglich sein.

Weitere Informationen zu den 3R-Prinzipien finden Sie unter 3R Kompetenzzentrum Schweiz.

 

 


Schliessen

Newsletter anmelden

scienceindustries News
Standpunkte
Point-Newsletter

 
 

Aussenhandelsstatistik Chemie Pharma Life Science

Weitere Analysen

Export Chemie Pharma Life Sciences Schweiz nach Regionen

Weitere Analysen