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Antibiotikaresistenz – alle sind gefordert

Dossiers - Antibiotikaresistenzen

Antibiotikaresistenz – alle sind gefordert

08.06.2022

Zur Bekämpfung bakterieller Infektionskrankheiten werden Antibiotika sowohl im Human- als auch im Tierarzneimittelbereich verschrieben. Indem Antibiotika Bakterien daran hindern, sich zu vermehren und sie abtöten, wird die Ursache der Krankheit bekämpft und nicht nur deren Symptome. Zugleich gilt es die wachsende globale Herausforderung der Antibiotikaresistenzen gemeinsam anzugehen.

Antibiotika werden in der Medizin nicht nur zur Behandlung akuter schwerer Infektionen eingesetzt, sondern auch zur Infektionsprävention, beispielsweise nach einem chirurgischen Eingriff. Durch die häufige Verschreibung und mitunter unsachgemässen Einsatz büssen Antibiotika jedoch an Wirkung ein. Weltweit sinkt die Wirksamkeit von Antibiotika, derweil die Globalisierung zusätzlich zur Verbreitung von Resistenzen beiträgt.[1]

Eine Möglichkeit, Resistenzen zu überwinden, wäre die Entwicklung neuer Antibiotika. Doch deren Erforschung erfordert hohe finanzielle Investitionen und die Frage bleibt, wer für diese Finanzierung aufkommt. Antibiotikaresistenzen stellen mittlerweile ein grosses globales Problem dar und eine Lösung muss deshalb über einen breiten globalen Ansatz gefunden werden. Deshalb hat sich auch der internationale Pharmaverband International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Associations (IFPMA) dieser Problematik angenommen.

Neue Lösungsansätze auf internationaler Ebene

Verschiedene Interessengruppierungen, darunter die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation, der Wellcome Trust und führende Regierungen, haben erkannt: Der biopharmazeutische Sektor kann bei der Verringerung der antimikrobiellen Resistenz und der Entwicklung neuer Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionen eine entscheidende Rolle einnehmen. Mitglieder des internationalen Pharmaverbands IFPMA haben sich denn auch zur Allianz Antimicrobial resistance (AMR) Industry Alliance zusammengeschlossen.

Der Zusammenschluss von mehr als 100 Biotech-, Diagnostik-, Pharma- und Generikaherstellern setzt sich für die Bekämpfung der Bedrohung durch die fortschreitenden Antibiotikaresistenzen ein. Bereits heute sind diese für 700'000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich und könnten die Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 bis zu 100 Billionen Dollar kosten, wenn nicht dringend gehandelt wird.[2] Die Mitglieder der AMR Industry Alliance gehen die Dringlichkeit der AMR-Herausforderung deshalb an und arbeiten mit Regierungen, gemeinnützigen Organisationen, Forschern des öffentlichen Sektors, Angehörigen der Gesundheitsberufe sowie Kostenträgern zusammen. Ein Status-Update liefert der AMR Industry Progress Report.

Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR)

In der Schweiz wurde im Jahr 2015 die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen verabschiedet, mit dem Ziel, die nachhaltige Wirksamkeit der Antibiotika für die Gesundheit der Menschen und Tiere zu erhalten. Die Umsetzung soll dem One-Health-Ansatz folgen und sieht eine breite Beteiligung von Akteuren und Stakeholdern vor. Zudem verfolgt One-Health die Idee einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen der Human- und Veterinärmedizin unter Einbezug der Ansprechgruppen von Landwirtschaft und Umwelt.

Die Massnahmen der Strategie gegen Antibiotikaresistenzen sind in acht Handlungsfelder unterteilt: Prävention, sachgemässer Antibiotikaeinsatz, Rahmenbedingungen, Information und Bildung, Kooperation, Forschung und Entwicklung sowie Überwachung. Wichtig ist, dass im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen alle mithelfen – Politik, Industrie, Forschung – wie auch im ersten Strategie Antibiotikaresistenzen Bericht 2017 nachgelesen werden kann. Die Industrie ist offen für die Diskussion neuer Anreizsysteme, wobei zu bedenken ist, dass im globalisierten Pharmamarkt nationale Lösungen wenig zielführend sind und grosse Chancen in einer engeren Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie zu orten sind.

Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (IS ABV)

Das IS ABV ist Bestandteil der Strategie Antibiotikaresistenzen. Seit dem 1. Januar 2019 erfassen Tierärztinnen und Tierärzte ihre Antibiotikaverschreibungen im Informationssystem. Diese Datenbank ermöglicht es, den Einsatz von Antibiotika bei Heimtieren aber auch bei Nutztieren zu verfolgen. Im Jahr 2022 wurde nun zum ersten Mal in zwei separaten Berichten aufgezeigt, wie Antibiotika bei Heimtieren und Nutztieren eingesetzt werden.

Die Berichte enthalten eine Übersicht über Antibiotikamengen, die Anzahl Verschreibungen und die Anzahl behandelter Tiere. Die Zahlen zeigen, dass die Menge der verkauften, respektive verabreichten Anti­bio­tika in der Veterinärmedizin seit Jahren rückläufig ist. Zugleich sind weitere Anstrengungen notwendig für eine weitere Verbrauchsreduktion.

Vor allem im Bereich der Nutztiere hat sich gezeigt, dass kritische Wirkstoffe teilweise noch auf Vorrat abgegeben wurden: Hier werden weitere Abklärungen seitens des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) folgen. Derweil wurde in der EU mit der Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel (EU-Tierarzneimittel-Verordnung) erstmals für in allen EU-Mitgliedsstaaten unmittelbar geltende, harmonisierte Vorschriften zu Tierarzneimitteln erlassen. Hierin werden unter anderem auch die Anwendung von Antibiotika beim Tier sowie strenge Vorgaben zur Reservehaltung geregelt. Die Schweiz wird ihre Vorschriften voraussichtlich entsprechend anpassen.

Antibiotika in der Humanmedizin

Im humanmedizinischen Bereich gibt es kein entsprechendes Monitoring wie das IS ABV. Für die Umsetzung der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz im Humanbereich wurden ein Kernteam und ein Expertenpool konstituiert. Sie beraten das BAG zu strategischen und technischen Umsetzungsthemen.

Die Schwerpunkte sind eine Verbesserung der Überwachung mit dem Referenzlaboratorium für die Früherkennung und Überwachung neuartiger Antibiotikaresistenzen (NARA – Nationales Referenzlaboratorium zur Früherkennung neuer Antibiotikaresistenzen und Resistenzmechanismen). Für die Spitäler in der Schweiz wurden Leitplanken entwickelt, welche die sachgemässe Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Antibiotika unterstützen und fördern. Das Ziel ist, dass das richtige Antibiotikum zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Dosis für die richtige Dauer verschrieben wird.

 


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