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Point «Aktuelle Biotechnologie» November2025 (Nr. 281)

  • Gentechnisch veränderte Mäuse gegen Zecken-Borreliose
  • Innovative Therapie zur Korrektur von Unsinn-Mutationen
  • de novo-Domestikation von Wildreis 
  • Europa macht voran, Schweiz zaudert bei neuen Züchtungsverfahren

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28.11.2025

Gesundheit: Gentechnisch veränderte Mäuse gegen Zecken-Borreliose

Mit Borreliose ist nicht zu spassen. Die durch Zeckenbisse übertragenen Borrelia-Bakterien können ohne Behandlung schwere Erkrankungen von Gehirn, Neven und Gelenken auslösen. Besonders heftig sind die Bewohner der US-Atlantikinsel Nantucket (Massachusetts) betroffen, wo aufgrund der grossen Zahl infizierter Zecken bis zu 15 Prozent der Einwohner an Borreliose erkranken.

Ein Forschungsteam vom renommierten «Massachusetts Institute of Technology» (MIT) hat jetzt einen neuartigen Ansatz entwickelt, um die Übertragung der Infektion zu bremsen. In der Natur vermehren sich die Borrelia-Bakterien vor allem in Mäusen. Zecken können dann nach einer Blutmahlzeit an befallenen Mäusen die Erreger durch einen Stich an Menschen weitergeben. Durch den Einbau des Gens für einen Antikörper gegen die Bakterien in das Mäuseerbgut erlangen die Tiere eine erbliche Immunität. So können sie die Erreger nicht mehr an Zecken weitergeben – der Infektionszyklus könnte so durchbrochen werden. 

Durch Freisetzung einer grösseren Anzahl transgener, Borrelia-resistenter Mäuse könnte die natürliche Population anfälliger Tiere verdrängt werden. Allerdings müssten vor einem solchen Einsatz auf der Insel noch weitgehende Abklärungen zu möglichen Auswirkungen auf das Ökosystem getroffen werden. Von entscheidender Bedeutung sind jedoch die Anliegen der lokalen Bevölkerung. In zahlreichen Treffen stiessen die Forschenden auf grosses Interesse.   (mehr…

Medizin: Innovative Therapie zur Korrektur von Unsinn-Mutationen

Genetische Mutationen im Erbgut können eine Vielzahl von Krankheiten auslösen. Über 7000 derartige seltene Krankheiten sind bekannt, die weltweit über 400 Millionen Patienten betreffen. Medizinische Anwendungen der Genomeditierung könnten theoretisch viele dieser Mutationen korrigieren, aber der Aufwand für die Entwicklung individualisierter Therapien für einzelne Patienten ist unverhältnismässig. Ein US-Forschungsteam beschreibt jetzt einen neuartigen Therapieansatz, der das Potenzial für die Therapie zahlreicher unterschiedlicher genetischer Erkrankungen hat.

Viele Erbkrankheiten werden durch Punktmutationen ausgelöst, die sogenannte Stop-Codons in das Erbgut einfügen («Unsinn-Mutationen»). Diese bewirken, dass die Ablesung der Information der betroffenen Gene an dieser Stelle abbricht – so fehlen wichtige biologische Funktionen. Die Forschenden entwickelten Adapter (Suppressor-tRNAs), welche eine Genablesung über diese Stop-Codons hinaus ermöglichen. Mit Hilfe der PRIME-Genomeditierung führten sie gezielte Änderungen in das Erbgut von Mäusen und menschlichen Zellen ein, welche die Produktion dieser Adapter ermöglichen. 

Die Mediziner konnten zeigen, dass dadurch im Tiermodell die Symptome einer krankheitsverursachenden Genmutation korrigiert werden konnten. Mit dem gleichen Ansatz konnten sie in menschlichen Zellkulturen für drei unterschiedliche genetische Erkrankungen die Ablesung der betroffenen Gene wiederherstellen. Es ist noch ein langer Weg, bis auf diesen Grundlagen Behandlungen für Krankheiten des Menschen entwickelt werden können – aber der innovative Ansatz eröffnet die Chance, in Zukunft zahlreiche Patienten mit sehr unterschiedlichen genetischen Erkrankungen mit der gleichen Therapie behandeln zu können.   (mehr…

Genomeditierung: de novo-Domestikation von Wildreis 

Reis ist ein Grundnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Im Lauf der viele tausend Jahre dauernden Domestikation von grasähnlichen Wildsorten zu den heute angebauten Kultursorten wurden agronomische Eigenschaften und Erträge verbessert. Allerdings gingen durch die Züchtung auch zahlreiche heute erwünschte Eigenschaften verloren, die sich zum Beispiel auf den Gehalt an Mikronährstoffen oder die Resistenz gegen Krankheiten auswirken.

Ein chinesisches Forschungsteam beschreibt jetzt einen Ansatz, um diese fehlenden Eigenschaften zurückzuerhalten: die Anpassung der genetischen Eigenschaften einer Wildreissorte mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas9, um so die Domestikation im Eilzugtempo nachzuholen. Die Forschenden führten an sieben Wildreis-Genen gezielte Veränderungen ein, um die Pflanzen mit den für einen Anbau wichtigsten agronomischen Eigenschaften auszustatten.

Duch diese de novo-Domestikation konnten sie in kürzester Zeit eine züchterische Entwicklung von vielen Tausend Jahren nachholen. Die Pflanzen behielten einen Grossteil der erwünschten Wildreis-Eigenschaften, aber wuchsen aufrecht, hatten hohe Erträge und verloren die Körner nicht frühzeitig. Die Genomeditierung ermöglicht so, die genetische Vielfalt angebauter Reissorten deutlich zu vergrössern und ihre Ernährungsqualität zu verbessern.   (mehr…

Neue Pflanzenzüchtungsverfahren: Europa macht voran, Schweiz zaudert

In England traten am 13.11.2025 neue Bestimmungen zum Anbau und der Vermarktung von Pflanzen aus neuen Züchtungsverfahren in Kraft, die zum Beispiel mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas9 entwickelt wurden. Für Pflanzen, die keine artfremden Erbinformationen enthalten und so auch in der Natur oder durch herkömmliche Züchtungsverfahren entstehen könnten, gelten vergleichbare Rahmenbedingungen wie für herkömmliche Pflanzensorten. Das vereinfacht Freilandversuche, den Anbau sowie die Produktion von Lebens- und Futtermitteln. Erste Produkte werden bereits 2026 am Markt erwartet.

Auch in der EU könnten bereits zum Jahresende die politischen Diskussionen um Details des innovationsfreundlichen Regulierungsvorschlags der EU-Kommission von 2023 abgeschlossen sein. Die Grundsätze des Vorschlags waren bei den politischen Akteuren auf breite Akzeptanz gestossen. Spitzenverbände der Land- und Ernährungswirtschaft fordern jetzt einen raschen Abschluss der Verhandlungen und einen Verzicht auf zusätzliche, unnötige Auflagen.

Im deutlichen Kontrast zu den internationalen Entwicklungen hat der Schweizer Bundesrat im Frühjahr 2025 einen restriktiven Regulierungsvorschlag vorgelegt, der eine praktische Anwendung neuer Züchtungsverfahren in der Schweiz massiv behindern würde. Nach der verbreiteten Ablehnung der Vorlage in der Vernehmlassung ist das weitere politische Vorgehen noch ungewiss.   (mehr…

Vollständige PDF Version Point «Aktuelle Biotechnologie» November 2025 (Nr. 281) mit Quellenangaben

Text und Redaktion: Jan Lucht, Leiter Biotechnologie (jan.lucht@scienceindustries.ch)


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