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Pflanzenschutz: Warum «weniger» nicht zwangsläufig «besser» ist

Pflanzenschutz: Warum «weniger» nicht zwangsläufig «besser» ist

12.11.2020

Die Menge an Pflanzenschutzmitteln, die ausschliesslich in der konventionellen Landwirtschaft angewendet werden dürfen, ist rückläufig. Die Produktmenge für den biologischen Landbau steigt. Das zeigt die Statistik der Pflanzenschutzmittel. Was die Zahlen nicht sagen: Es kommen seit Jahren kaum neue Pflanzenschutzmittel auf den Markt.

Die Gesamtverkaufsmenge von Pflanzenschutzmitteln im 2019 war erneut rückläufig. Sie betrug insgesamt noch 1950 Tonnen. In den Kategorien Fungizide, Bakterizide, Herbizide, Molluskizide und Wachstumsregulatoren war ein Rückgang der Verkaufsmengen zu verzeichnen. Mit einer Ausnahme: Das Verkaufsvolumen von Paraffinöl, einem Wirkstoff, der in der biologischen Landwirtschaft als Insektizid eingesetzt werden kann, nahm um 40 % gegenüber 2018 zu. Ferner hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) 32 Pflanzenschutzmittel basierend auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen überprüft.

Nur Innovationen machen eine moderne, nachhaltige Landwirtschaft möglich

Die Kommunikation des BLW fokussiert auf das «weniger». Doch «weniger» ist nicht zwingend gut, wenn nicht sogar gefährlich. In den letzten Jahren wurden die Anforderungen für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stetig verschärft. Seit zwei Jahren wurden kaum neue Produkte zugelassen, während zahlreiche ältere Produkte vom Markt verschwanden. Das heisst: Die Palette an Wirkstoffen ist gefährlich ausgedünnt. Das Resistenzrisiko steigt und der Anbau regionaler, gesunder und erschwinglicher Nahrungsmittel in der Schweiz ist gefährdet. Mit der gezielten Überprüfung älterer Produkte stellt der Bund sicher, dass die eingeführten Pflanzenschutzmittel die aktuellen Anforderungen nach wie vor erfüllen. Gleichzeitig ist es aber enorm wichtig, dass neue Produkte zugelassen werden. Denn die Agrarunternehmen entwickeln ständig neue Pflanzenschutzmittel mit immer höherer Wirksamkeit und besserer Umweltverträglichkeit. Umso unbefriedigender ist, dass es bereits seit Jahren immer schwieriger wird, neue Produkte – darunter viele, die in unseren Nachbarländern bereits zugelassen sind – in der Schweiz zu registrieren und damit den Anwendern zur Verfügung zu stellen.

Stetige Verbesserung statt Verbote

Wer eine nachhaltige Risikoreduktion will, muss dafür sorgen, dass Innovationen der forschen-den Industrie den Markt auch erreichen. Politik und Behörden haben es in der Hand, dem politischen Druck entgegenzuwirken und sich für wissenschaftsbasierte Registrierungsprozesse einzusetzen. Behauptungen, dass «es auch ohne Pflanzenschutzmittel gehe» sind einer kritischen Prüfung zu unterziehen und nach Evidenz, Alternativen und Preis zu hinterfragen. Das gilt auch für die Massnahmen, wie sie etwa die «Trinkwasser-Initiative» oder die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» fordern. Diese sind unsachlich und schädlich. Sie hätten gravierende Konsequenzen für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz. Beide Initiativen rücken das Ziel, qualitativ hochwertige und regionale Lebensmittel in der Schweiz zu produzieren, in weite Ferne und schaden dem Innovationsstandort Schweiz.

Weitere Auskünfte:

Marcel Sennhauser, Bereichsleiter Kommunikation & Public Affairs
marcel.sennhauser@scienceindustries.ch, T +41 44 368 17 44

Anna Bozzi, Leiterin Ernährung & Agrar
anna.bozzi@scienceindustries.ch, T +41 44 368 17 64

 


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