Erstellt am 07.08.2015

Fact Sheet - Glyphosat: Keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen

NGOs wie auch die politische Vorstösse beziehen sich auf eine im Frühjahr 2015 angekündigte und Ende Juli 2015 publizierte Beurteilung einer Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC4) der Weltgesundheitsorganisation WHO, die den Wirkstoff Glyphosat in Gruppe 2A («wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugend») einstufte. Das IARC-Gremium fand dabei aufgrund einiger weniger Studien einen theoretisch möglichen Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und Glyphosat, berücksichtigte aber nicht, ob unter realistischen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit für ein erhöhtes Risiko besteht. Eigene Forschungsarbeiten wurden von der IARC nicht durchgeführt, es wurden auch keine neuen Studien ausgewertet die nicht bereits zuvor bei der laufenden Beurteilung von Glyphosat durch Zulassungsbehörden berücksichtigt wurden.

Diese Einschätzung der IARC steht im Gegensatz zu den langjährigen Bewertungen aller zuständigen Institutionen in Europa und Nordamerika, welche Glyphosat ausnahmslos als weder kanzerogen noch mutagen einstufen. Insbesondere widerspricht diese Einschätzung der Bewertung des Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR), eines Ausschusses international renommierter Toxikologen der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten
Nationen, welches die Sicherheit von Glyphosat wiederholt bestätigt hat, und der Einschätzung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung BfR, welches im Rahmen der EU-Überprüfung der Wirkstoffgenehmigung für Glyphosat auch nach Analyse von über 1000 neuen Studien keinen Hinweis auf eine krebserzeugende Wirkung fand. Ob die rein theoretische Einstufung durch die IARC irgendeine Relevanz für die Praxis und für den Umgang mit Glyphosat hat, wird jedoch im Rahmen des laufenden Verfahrens erneut überprüft.

Die IARC stuft nach ihren Kriterien übrigens auch Holz-Cheminees, die Abluft beim Braten, den Genuss von alkoholischen Getränken oder heissem Mate-Tee, sowie Schichtarbeit als «wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugend» ein. Die IARC-Einschätzung stellt nach eigener Aussage nur eine Beurteilung einer theoretisch möglichen Gefährdung («hazard») dar, gibt jedoch keinen Hinweis auf ein tatsächliches Risiko für Anwender oder Bevölkerung.

Glyphosat ist ein seit über vier Jahrzenten in vielen Ländern verwendeter Herbizid-Wirkstoff. Es ist das weltweit und auch in der Schweiz am meisten eingesetzte Pflanzenschutzmittel und dient in der Landwirtschaft, aber auch in Gärten und auf Verkehrswegen (z. B. Bahntrassees) dazu, das Wachstum von Unkräutern zu unterdrücken. In der Schweiz wird Glyphosat insbesondere in  bodenschonenden, pfluglosen Anbauverfahren eingesetzt. Diese Anbaumethode fördert indirekt die Bodenfruchtbarkeit. Die Anwendung von Glyphosat kurz vor der Ernte, wie dies beispielsweise im Ausland u.a. zur Reifebeschleunigung in Getreide möglich ist, ist in der Schweiz nicht zugelassen.

Diese neue Kampagne führt erneut zu einer unnötigen Verunsicherung der Bevölkerung bezüglich der Sicherheit geprüfter und zugelassener Wirkstoffe. Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW, als in der Schweiz verantwortliche Behörde für die Prüfung und die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, sowie die Beurteilungsstelle für Auswirkungen von Pflanzenschutzmittel auf die Gesundheit des Menschen (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV) haben am 19. Mai 2015 eine Stellungnahme
zur Neueinstufung von Glyphosat als krebserregend durch die IARC veröffentlicht, und diese Ende Juli 2015 nach Vorliegen der IARC Monographie aktualisiert. In diesem Dokument bestätigen die Schweizer Behörden, dass Rückstände von Glyphosat aus der Anwendung als Pflanzenschutzmittel weiterhin als gesundheitlich unbedenklich betrachten werden. Die weiteren Forschungsentwicklungen sowie die Entscheidungen der internationalen Behörden werden die beiden Schweizer Bundesämter
weiter eng verfolgen.

Fact Sheet - «Glyphosat: Keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen» zum Download.

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