Erstellt am 04.03.2016

Positionspapier - Corporate Social Responsibility (CSR) aus Sicht von scienceindustries

Zusammenfassung

  • Die Mitgliedunternehmen von scienceindustries sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwor­tung bewusst und nehmen diese wahr. Sie engagieren sich seit Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen freiwillig in CSR-Aktivitäten zu Themen wie Umweltschutz, Bildungsförderung oder Korruptionsbekämpfung.
  • Die internationale Staatengemeinschaft hat ein vielschichtiges CSR-Regelwerk mit Leitlinien und Verhaltensempfehlungen für multinational tätige Unternehmen geschaffen. Darüber hin­ausgehende staatliche Verpflichtungen sind nicht zielführend. Ein Schweizer Alleingang wäre wirkungslos und würde den Wirtschaftsstandort Schweiz unnötig belasten.
  • Eine stärkere Verrechtlichung von CSR, insbesondere die Ausweitung der Haftpflicht bei multinationalen Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) vorsieht, würde sich kontraproduktiv auswirken. Vielmehr ist die Selbstverantwortung der Wirtschaft zu stärken.
     

Ausgangslage

Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs „Corporate Social Responsibility (CSR)“ fehlt, zu­dem nehmen die Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung je nach Betriebsgrösse und Tätigkeitsfeld unterschiedlich wahr. scienceindustries und ihre Mitgliedunternehmen verstehen un­ter verantwortlichem Handeln jedoch immer:

  1. Das Einhalten lokaler Gesetze, weltweiter konzerninterner oder industrieweiter Standards, die über die lokalen rechtlichen Standards hinausgehen können, sowie internationaler Vereinbarun­gen (Corporate Governance und Compliance).
  1. Das Wahrnehmen sozialer, ökologischer und ökonomischer Verantwortung im Kerngeschäft (Nach­haltiges Management).
  1. Das gesellschaftliche Engagement, das über das Kerngeschäft hinausgeht (Corporate Citizenship).

Politisch und medial stehen gegenwärtig besonders die Tätigkeiten global tätiger Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern im Zentrum des Interesses. Das vorliegende Papier richtet sich in erster Linie nach diesem Fokus.

Institutionelle und staatliche CSR-Entwicklungen

Themen im Bereich CSR werden zurzeit intensiv auf internationaler und nationaler Ebene diskutiert. International konnten sich verschiedene CSR-Leitlinien und Verhaltensempfehlungen durchsetzen. Sie bilden einen breit anerkannten Regelrahmen für global tätige Unternehmen. Zu erwähnen sind insbesondere die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, welche die soziale und ökologi­sche Entwicklung der Länder, in denen die Unternehmen tätig sind, fördern sollen. Ebenfalls bedeu­tend ist die globale Selbstverpflichtungsinitiative „UN Global Compact“. Die „Ruggie“-Prinzipien der UNO bilden schliesslich den Referenzrahmen bezüglich unternehmerischer Tätigkeiten und Wahrung der Menschenrechte.

Auf nationaler Ebene veröffentlichte der Bundesrat im April 2015 eine „Bundesratsstrategie Gesell­schaftliche Verantwortung der Unternehmen“. Mittels eines Nationalen Aktionsplans setzt er zudem die „Ruggie-Leitprinzipien“ für die Schweiz um. Überdies will der Bundesrat mit dem „Aktionsplan Grüne Wirtschaft“ die schweizerischen Rahmenbedingungen für den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen weiterentwickeln. Auch das Eidg. Parlament hat sich bereits mit verschiedenen CSR-Initiativen auseinandergesetzt und u.a. zwei rechtsvergleichende Berichte verlangt.

Unter dem Schlagwort ‚Recht ohne Grenzen‘ hat ein schweizerisches Initiativkomitee die zwingende Durchsetzung einer sehr weitgehenden Unternehmensverantwortung gefordert. Insbesondere sollen danach Schweizer Gerichte für Klagen von ausländischen Personen bei Vorfällen im Ausland für zu­ständig erklärt werden. Die sog. Konzernverantwortungsinitiative (KVI) wurde im April 2015 lanciert (vgl. unten).

Unternehmen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung seit langem wahr

Die Mitgliedunternehmen von scienceindustries befolgen die lokalen gesetzlichen Vorschriften zu Arbeitsbedingungen, Sicherheitsstandards, Umweltschutz usw. und halten sich an international aner­kannte Sozial- und Umweltstandards.

Zudem verfolgen die Unternehmen freiwillig ergänzende CSR-Strategien, wo sie es für sinnvoll erach­ten. Dabei gehen die Unternehmen oft über die Einhaltung lokaler gesetzlicher Vorschriften hinaus und streben danach, ihre Tätigkeiten im Unternehmen selbst, entlang der Wertschöpfungskette, am Standort des Unternehmens und am Markt möglichst weitsichtig und zukunftsverträglich zu gestal­ten.

Weltweit gibt es heute zahlreiche CSR-Standards und -Massnahmen. Für welche konkreten Mass­nahmen sich ein Unternehmen entscheidet, hängt von seinen spezifischen Tätigkeiten, seiner Grösse, seinen Produkten und Dienstleistungen sowie von den Ländern ab, in denen das Unternehmen aktiv ist. Somit können sich CSR-Massnahmen verschiedener Unternehmen erheblich voneinander unter­scheiden.

Eine praktische Grenze finden die CSR-Massnahmen in der Notwendigkeit, dass Unternehmen ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit und damit ihre Wertschöpfungsfunktion erhalten müssen. Besteht doch die primäre Funktion der Unternehmen gegenüber der Gesellschaft in ihrer wirtschaftlichen Wertschöpfung. Damit können Arbeitsplätze geschaffen, Steuern bezahlt und die Basis für das Wohl­ergehen von Menschen und Volkswirtschaften gelegt werden. Kann die Wettbewerbsfähigkeit durch die Umsetzung von CSR-Massnahmen nicht erhalten werden, scheitert jede CSR-Strategie.

Zudem kann unternehmerisches Handeln die Verantwortung der zuständigen politischen Organe nie ersetzen, sondern bloss ergänzen. Die Durchsetzung von Recht und Gesetz, die Umsetzung grundle­gender Umwelt- und Sozialstandards und das Angebot öffentlicher Dienstleistungen sind und bleiben zentrale Aufgaben der Staaten. Dazu gehört auch die Unterstützung der Unternehmen bei der Wahr­nehmung ihrer Verantwortung in Ländern mit schwachen Governance-Strukturen durch ihr Heim­land.

Besonderes Engagement in den Bereichen Umweltschutz und soziale Nachhaltigkeit

Für die Mitgliedunternehmen von scienceindustries sind Umweltschutz und soziale Nachhaltigkeit von besonderer Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Jahresberichte bzw. Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichte („Non Financial Reporting“) formen den wichtigsten Kommunikationskanal der Unternehmen um über Strategien, Massnahmen und Erfolge ihrer Tätigkeiten in den Bereichen Umweltschutz und soziale Nachhaltigkeit zu berichten.

Einige wichtige Initiativen der Industrie seien an dieser Stelle erwähnt, weitere sind dem Anhang zu entnehmen:

  • Responsible Care Programm. Diese Initiative der internationalen chemischen Industrie bezweckt die Verbesserung der Leistungen der Unternehmen im Bereich Umwelt- und Arbeitssicherheit, die Förderung der Gesundheit sowie die Kommunikation mit Interessengruppen über Produkte und Prozesse.
  • Global Product Strategy (GPS). Die GPS-Initiative des Weltchemieverbandes ICCA zielt darauf ab, die Umweltauswirkungen von Produkten in der gesamten Wertschöpfungskette zu berücksichti­gen.
  • Together for Sustainability. Diese Initiative, die von führenden Chemieunternehmen vorangetrie­ben wird, fördert die Verbesserung der Nachhaltigkeit und der Qualitätsstandards in der gesamten Lieferkette.
  • Pharmaceutical Supply Chain Initiative (PSCI). Diese Initiative wurde von führenden Pharmaunternehmen lanciert und zielt in dieselbe Richtung wie „Together for Sustainability“.
  • Carbon Disclosure Project. Dieses Projekt will die Transparenz, Vergleichbarkeit und Beurteilung der Umweltleistung von Unternehmen verbessern und bestärkt die Unternehmen darin, Aus­kunft über ihre Treibhausemissionen und ihren Wasserverbrauch zu geben.

Im Fokus: Konzernverantwortungsinitiative

Im April 2015 wurde von einer breiten Allianz aus NGOs, Gewerkschaften und kirchlichen Kreisen die sog. Konzernverantwortungsinitiative (KVI) lanciert. Sie fordert die Einführung gesetzlicher Verpflich­tungen und Haftbarkeiten in den Bereichen Menschenrechte und Umwelt für Geschäftstätigkeiten im Ausland. Konkret müssten schweizerische Muttergesellschaften eine Sorgfaltspflicht auf alle vom Mutterunternehmen „kontrollierten“ Unternehmen (Tochterfirmen und Zulieferer) übernehmen. Zudem sollen Opfer angeblicher Verletzungen dieser Pflichten in der Schweiz und nach Schweizer Recht klagen können.

scienceindustries lehnt die Einführung dieser weltweit schärfsten gesetzlichen Haftungsregeln für Unternehmen ab. Sie würde Schweizer Unternehmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligen und den Wirtschaftsstandort Schweiz erheblich schwächen.

Rechtlich verfehlt und unnötig: Menschenrechtsverletzungen und industriell verursachte Um­weltbelastungen im Ausland unterstehen dem jeweiligen lokalen Recht. Die global tätigen Unter­nehmen orientieren sich an international anerkannten Standards, welche auch dann befolgt wer­den, wenn lokale Gesetze und Implementierung-Gepflogenheiten diesen Standards nicht genü­gen. Zudem sind Unternehmen an internationale Verpflichtungen wie etwa die OECD-Bestim­mungen gebunden und bereits heute für ihr Handeln verantwortlich. Ausserdem ist der Verwal­tungsrat gemäss Gesellschaftsrecht zur Sorgfalt verpflichtet (Art. 717 OR), was eine Prüfung der Einhaltung der relevanten CSR-Standards einschliesst.

Gefährdung des Wirtschaftsstandorts Schweiz: International nicht abgestimmte Vorschriften wä­ren ein Schweizer Alleingang, der die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als Wirtschaftsstandort beeinträchtigen würde. Von den geforderten Haftungsbestimmungen wären sowohl Grosskon­zerne als auch deren Schweizer KMU-Zulieferer betroffen.

Unerwünschte Konsequenzen: Werden Schweizer Unternehmen rechtlichen Risiken ausgesetzt, mit denen ausländische Unternehmen nicht zu rechnen haben, ziehen sie sich aus kritischen Län­dern und Märkten zurück. Dadurch gingen in den betroffenen Ländern Arbeitsplätze verloren, der Know-how Transfer, Infrastrukturprojekte und Sponsoring-Aktivitäten würden eingeschränkt oder eingestellt, und es drohten Wettbewerber aus Ländern in die entsprechenden Märkte einzudrin­gen, die Menschenrechten und Umweltstandards weniger Bedeutung beimessen.

Die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechten kann nicht mittels einer umfassenden und ge­setzlich geregelten Unternehmensverantwortung in der Schweiz erzwungen werden. Dem Anliegen ist besser gedient mit der Weiterführung der international akzeptierten CSR-Leitprinzipien sowie mit branchenspezifischen Standards, die auf konkrete Problemstellungen zugeschnitten sind und sich innerhalb der jeweiligen Branche durchsetzen können. Sie beruhen auf Eigeninitiative, sind in der Praxis weit gediehen und kommen in der Regel grenzübergreifend zur Anwendung, was gleich lange Spiesse im Wettbewerb garantiert.

Schlussbemerkungen

scienceindustries anerkennt ausdrücklich die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen in Ergänzung zur staatlichen und zivilgesellschaftlichen Verantwortung. Die Mitgliedunternehmen von scienceindustries zeichnen sich durch ein grosses Engagement in den Bereichen Umweltschutz, so­ziale Nachhaltigkeit und beim Schutz der Menschenrechte aus. Sie richten sich in ihren weltweiten Aktivitäten nach anerkannten Standards, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, weil dies auch in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse liegt. Gleichwohl stösst die ihnen zugewiesene ge­sellschaftliche Verantwortung an Grenzen:

  • Jeder Staat bestimmt innerhalb seines Staatsgebiets den verbindlichen Rechtsrahmen und setzt diesen durch. Unternehmen halten diese Bestimmungen ein, wobei sich ihr Aktionsradius auf ihren unmittelbaren Geschäftsbereich begrenzt. Die global tätigen Unternehmen orientieren sich an international anerkannten Standards, welche auch dann befolgt werden, wenn lokale Ge­setze und Implementierung-Gepflogenheiten diesen Standards nicht genügen.
  • International tätige Unternehmen fördern aktiv die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft in Entwicklungs- und Schwellen­ländern. Die Mitgliedunternehmen von scienceindustries tragen Sorge zur Umwelt, haben unzählige Arbeitsplätze in Entwicklungs- und Schwellenländern geschaffen und ermögli­chen den Transfer von Know-how. Zudem leisten sie mit ihren freiwilligen CSR-Engagements ei­nen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung in den Ländern, in denen sie unter­nehmerisch tätig sind.
  • Eine Verrechtlichung von CSR birgt zahlreiche Gefahren. Starre Gesetze und zu strenge Haftungs­bestimmungen hemmen Innovationen, führen zu einer schwerfälligen Bürokratie und untergraben unternehmerische Eigeninitiativen im CSR-Bereich. Ein gesetzgeberischer Alleingang der Schweiz (allenfalls mit „Swiss Finish“) wäre nicht nur faktisch wirkungslos, sondern würde die hier ansässigen Unternehmen gegenüber Konkurrenten aus dem Ausland benachteiligen. Die Wettbewerbsfähigkeit schweizerischer Unternehmen und damit auch die Basis freiwilliger CSR-Engagements würden gefährdet.
  • CSR muss grundsätzlich in der Verantwortung der Unternehmen liegen. Unternehmen müssen einen langfristigen Geschäftserfolg sicherstellen und sind deshalb auch an einem stabilen und unternehmensfreundlichen Wirtschaftsumfeld in den Ländern ihrer Geschäftstätigkeit interes­siert. Die konkrete Umsetzung einer CSR-Strategie muss Sache der Unternehmen bleiben. Zwin­gende Elemente, wie z.B. Berichterstattungspflichten oder erweiterte Haftungsbestimmungen bei Verstössen von Dritten, sind kontraproduktiv und führen dazu, dass freiwillige CSR-Aktivitä­ten gefährdet werden.

Positionspapier "Corporate Social Responsibility (CSR) aus Sicht von scienceindustries" zum Download (PDF)

Anhang: Auswahl an CSR-Entwicklungen und -Aktivitäten aus Sicht der Branchen Chemie Pharma Biotech

Internationale Ebene

Institutionelle und multilaterale CSR-Entwicklungen

Fokus/Schwerpunkte

OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: Empfehlungen von Regierungen an multinational tätige Unternehmen. Unternehmen werden aufgefordert, die soziale und ökologische Entwicklung der Länder, in denen sie tätig sind, zu unterstützen. Zwecks Umsetzung und Überwachung der Leitsätze hat jeder Staat einen „Nationalen Kontakt­punkt“ einzurichten (in der Schweiz beim SECO angesiedelt), um dort mutmassliches Fehlverhalten von Unternehmen melden zu können.

Menschenrechte

Umwelt/Nachhaltigkeit Beschäftigung/Sicherheit

Korruptionsbekämpfung

UN Global Compact: Eine von der UNO initiierte, freiwillige Plattform von Unternehmen und Organisationen, die die Selbstverpflichtung im Bereich der Nachhaltigkeit und der CSR propagiert. Der Global Compact legt bestimmte soziale und ökologische Mindest­standards fest, die in zehn Prinzipien zusammengefasst sind. Mit dem Beitritt zum Global Compact verpflichten sich Unternehmen dazu, jährlich Bericht über erfolgte CSR-Mass­nahmen zu erstatten.

Menschenrechte

 Umwelt/Nachhaltigkeit Beschäftigung/Sicherheit

Korruptionsbekämpfung

UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte: Die „Ruggie“-Leitprinzipien bilden den Referenzrahmen für Staaten bezüglich unternehmerischer Tätigkeiten und Menschenrechtsverletzungen. Sie konkretisieren die Menschrechtsaspekte des UN Global Compacts. Im Zentrum stehen Schutz und Respekt vor Menschenrechten sowie der Zu­gang zu effektiver Wiedergutmachung für Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Die UNO-Mitgliedstaaten sind gehalten, nationale Umsetzungsstrategien („Nationaler Ak­tionsplan“) der „Ruggie“-Leitprinzipien auszuarbeiten.

Menschenrechte

Grundsatzerklärung der ILO: Die Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) umfasst Verhaltensregeln für die Bereiche Ausbildung, Arbeitsbedingungen, Beschäftigung, Le­bensbedingungen und Arbeitsbeziehungen. Darin werden Unternehmen, Regierungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände aufgefordert, internationale Arbeitsüberein­kommen und -Empfehlungen anzuwenden.

Beschäftigung/Sicherheit

Workplace Code of Conduct: Ein Verhaltenskodex der Fair Labor Association (FLA), der das Ziel verfolgt, die Rechte der Arbeitnehmer durch die Einhaltung von internationalen Standards zu fördern und die Arbeitsbedingungen insgesamt zu verbessern. Mit dem Beitritt verpflichten sich Unternehmen dazu, die Bestimmungen des Kodex entlang der Lieferkette einzuhalten.

Beschäftigung/Sicherheit

ISO-Normen: Die International Organization for Standardization (ISO) besteht aus Vertretern der nationalen Normorganisationen und ist der grösste Entwickler von internationalen Stan­dards. Ihre Normen ISO 14‘001 für Umweltmanagement und ISO 40‘040 für Ökobilanzen sind prominente Beispiele für Standards im Bereich Umweltschutz. Die Umsetzung der ISO-Normen ist freiwillig.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Eco-Management and Audit Scheme (EMAS): Ein Regelwerk, das die Elemente und Ab­läufe für das Umweltmanagement vorgibt, und von der Europäischen Kommission entwi­ckelt wurde. Es basiert auf der ISO 14'001-Norm, beinhaltet jedoch zusätzliche Elemente wie etwa vorgegebene Umweltkennzahlen (Key Performance Indicators).

Umwelt/Nachhaltigkeit

Nationale Ebene

Staatliche und parlamentarische CSR-Entwicklungen

Fokus/Schwerpunkte

Bundesratsstrategie Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen: Ein im April 2015 vom Bundesrat veröffentlichtes Positionspapier zur Verantwortung der Unterneh­men für Gesellschaft und Umwelt. Das Papier legt strategische Stossrichtungen im Be­reich CSR fest und enthält einen Aktionsplan mit konkreten Massnahmen zu CSR-Themen.

Menschenrechte

Umwelt/Nachhaltigkeit Beschäftigung/Sicherheit

Korruptionsbekämpfung

Nationaler Aktionsplan - Ruggie-Leitprinzipien: Die von der UNO verabschiedeten „Ruggie-Leitprinzipien“ sind in einem Nationalen Aktionsplans (NAP) länderspezifisch zu konkretisieren. Der Bund arbeitet zurzeit an einer auf die hiesigen Bedürfnisse zuge­schnittenen „Ruggie-Strategie“. Ein Entwurf wurde im April 2015 an ausgewählte Kreise verschickt. Die Wirtschaft hat unter Führung von economiesuisse Stellung genommen; ein finaler Schweizer NAP steht noch aus.

Menschenrechte

Rechtsvergleichender Bericht zu Sorgfaltsprüfungen: Ein vom Parlament verlangter Bericht zu Sorgfaltsprüfungen bezüglich Menschenrechten und Umwelt bei Auslandaktivi­täten von Schweizer Unternehmen. Das Schweizerische Institut für Rechtsvergleichung (SIR) hat ein Gutachten zum Thema verfasst und dabei bestehende Massnahmen in mit der Schweiz vergleichbaren Ländern untersucht. Im Bericht werden mögliche Lösungen für die Schweiz vorgeschlagen.

Menschenrechte

Rechtsvergleichender Bericht zu Wiedergutmachung: Ein ebenfalls vom Parlament ver­langter Bericht, der analysieren soll, welche Massnahmen in anderen Staaten umgesetzt werden, um Personen, deren Menschenrechte durch ein Unternehmen verletzt wurden, Zugang zu Wiedergutmachung zu ermöglichen. Der Bericht steht noch aus.

Menschenrechte

Strategie Nachhaltige Entwicklung 2012-2015 (SNE): Eine alle vier Jahre erscheinende Gesamtschau des Bundesrats zur nachhaltigen Entwicklung. Die SNE beinhaltet die Koor­dination der Tätigkeiten des Bundes sowie deren Abstimmung mit Kantonen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Der Bund sieht CSR als Beitrag der Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung. Die Strategie für die Jahre 2016-2019 wurde im Januar 2016 vom Bundesrat verabschiedet.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Recht ohne Grenzen: Ein Komitee, bestehend aus verschiedenen Nichtregierungsorgani­sationen, das im Kern eine zwingende Durchsetzung einer umfassenden Unternehmens­verantwortung fordert. Über die lokalen Gesetzgebungen hinweg sollen Schweizer Ge­richte für Klagen von ausländischen Personen bei Vorfällen im Ausland für zuständig erklärt werden. Nachdem eine gleichnamige Petition vom Parlament abgelehnt wurde, lancierte das Komitee im April 2015 die „Konzernverantwortungsinitiative“ (KVI), die von Muttergesellschaften in der Schweiz eine weitreichende Sorgfaltspflicht betreffend aller Zulieferer und Vertriebspartner verlangt (s. im Fokus).

Menschenrechte

Umwelt/Nachhaltigkeit

Kommentar: scienceindustries hält die KVI für schädlich für den Wirtschaftsstandort Schweiz und lehnt sie daher ab (s. Im Fokus).

Gegenvorschlag des Bundesrat zur Volksinitiative „Grüne Wirtschaft“: Mit der Revision des Umweltschutzgesetztes soll die Umweltpolitik stärker auf den schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen ausgerichtet werden. Der Bundesrat hat am 12. Februar 2014 den Gesetzentwurf ans Parlament überwiesen.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Kommentar: scienceindustries hat sich kritisch zum Gegenvorschlag geäussert. Das Parla­ment hat in der Wintersession 2015 den Gegenvorschlag wie auch die Initiative abgelehnt. Weiter bestehen bleibt der Aktionsplan Grüne Wirtschaft des Bundesrates, an dem er trotz fehlenden gesetzlichen Auftrags festhalten will.

Berichterstattung über Rohstoffe und Produkte in der Schweiz: Der Bundesrat setzt sich für eine Berichterstattung über Produkte und Rohstoffe ein und hat das Bundesamt für Umwelt den Auftrag erteilt, die Grundlageinformationen zu ausgewählten Rohstoffen in Bezug auf ihre Relevanz, den Marktanteil und die vorhandenen Standards zu verbessern.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Branchenebene

Industriegetriebene CSR-Initiativen und -Massnahmen

Fokus/Schwerpunkte

Responsible Care Programm: Eine globale Initiative der chemischen Industrie zur Verbes­serung der Umwelt- und Arbeitssicherheitsleistung, zur Förderung der Gesundheit sowie zur Kommunikation mit Interessengruppen über Produkte und Prozesse. Die angeglie­derte Global Product Strategy (GPS) zielt darauf ab, die Leistung der einzelnen Unterneh­men im Bezug auf die Verantwortung für ihre Produkte zu steigern.

Umwelt/Nachhaltigkeit
Beschäftigung/Sicherheit

Together for Sustainability: Eine von global führenden Chemieunternehmen vorangetrie­bene Initiative zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und der Qualitätsstandards in der Lieferkette. Ziel ist es, Nachhaltigkeit als integrierten Bestandteil der Unternehmensstra­tegie zu festigen.

Umwelt/Nachhaltigkeit

EcoVadis: Eine Initiative mit dem Ziel, Umwelt- und Sozialpraktiken durch konsequente Nutzung globaler Lieferketten zu verbessern. EcoVadis betreibt eine Plattform, die es Unternehmen er­möglicht, die Leistungsfähigkeit ihrer Lieferanten im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu mes­sen.

Umwelt/Nachhaltigkeit
Beschäftigung/Sicherheit

Verhaltenskodizes der Pharmaindustrie: Nationale Kodizes konkretisieren weltweit die jeweils übergeordneten Kodizes des internationalen bzw. der regionalen Verbände der pharmazeutischen Industrie. Die Pharmaunternehmen verpflichten sich mit der Unter­zeichnung der Kodizes zur Einhaltung spezifischer ethischer Verhaltensregeln insbeson­dere mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Ärzte- und Patientenorganisationen. In der Schweiz ist scienceindustries für die nationalen Kodizes verantwortlich.

Korruptionsbekämpfung

SusChem: Eine europaweite Technologieplattform im Bereich Chemie, die sich für nach­haltige Lösungen, Ressouceneffizienz und saubere Technologien einsetzt. SusChem ver­netzt Akteure aus Industrie, Wirtschaft und öffentlicher Hand und unterstützt innovative Projekte auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Pharmaceutical Supply Chain Initiative (PSCI): Ein Verhaltenskodex, ins Leben gerufen von einer Gruppe führender Pharmaunternehmen. Er trägt zur Unterstützung von Pharmalieferanten bei der Umsetzung der Industrienormen in den Bereichen Arbeitnehmerrechte, Gesundheit, Arbeitssicherheit, Tierschutz, Um­weltschutz, Ethik usw. bei.

Umwelt/Nachhaltigkeit
Beschäftigung/Sicherheit

Behaviour Based Safety (BBS): Ein vom europäischen Chemieverband CEFIC initiiertes Managementprogramm zur Steigerung der Betriebssicherheit durch Verhaltenstraining. Im Vordergrund steht die Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz in der chemischen Industrie sowie in der Transportbranche.

Beschäftigung/Sicherheit

Chemie³ Im Zentrum der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie stehen die „Leit­linien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“. Sie dienen als Leit­bild und unterstützen Unternehmen und Beschäftigte dabei, ihre Beiträge zur Nachhaltig­keit auszubauen.

Umwelt/Nachhaltigkeit

Planet Possible: Eine Kampagne von AkzoNobel, welche darauf abzielt, den Schadstoff­ausstoss in allen Bereichen der Wertschöpfungskette - Ressourcengewinnung, Verarbei­tung, Transport, Applikation und Entsorgung - zu reduzieren.

Umwelt/Nachhaltigkeit

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