Pflanzenbiotechnologie - Herausforderung und Chancen


Gastreferat von Prof. Dr. Wilhelm Gruissem
Institut für Pflanzenwissenschaften
ETH Zürich

SGCI Generalversammlung 2005 in Luzern 24. Juni 2005

- Kurzfassung -

Die Diskussionen über Chancen und Risiken der Grünen Gentechnologie sind mit dem weltweit steigenden Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (allein im Jahr 2004 wurden weltweit über 80 Millionen ha angebaut) wieder in den Vordergrund gerückt. In der Schweiz hat die Grüne Gentechnologie eine wichtige Rolle in der Grundlagenforschung, aber auch in der Entwicklung möglicher praxis-orientierter Anwendungen, die wichtige Probleme der schweizerischen Umwelt und Landwirtschaft lösen können.

Eine starke Pflanzenbiotechnologieforschung in der Schweiz eröffnet der Landwirtschaft neue Optionen, die künftig zur Wertschöpfung beitragen können. Auch auf internationaler Ebene muss die Schweizer Pflanzenforschung die Grüne Gentechnologie vorantreiben, um Chancen und Risiken dieser Technologie für den Schweizer Markt und die Landwirtschaft erkennen und beurteilen zu können. Chancen sind gegebenenfalls schnell umzusetzen. Dazu braucht die Schweiz hoch-qualifizierte Wissenschafter, die verantwortungsvoll mit der Grünen Gentechnologie umgehen können.

Die Möglichkeiten der Grünen Gentechnologie werden in der Landwirtschaft bereits verbreitet eingesetzt und gehen längst über die bekannten Anwendungen wie etwa "Bt-Mais" und "Round-up-ready Soja" hinaus. Diese Anwendungen haben das Ziel, den Anbau der Pflanzen zu erleichtern und den Ertrag zu steigern. Das stetig wachsende Verständnis der molekularen Prozesse in der Pflanze – nicht zuletzt auch durch Schweizer Pflanzenforschung ermöglicht - wird in naher Zukunft die biotechnologischen Möglichkeiten deutlich erweitern. Pflanzen mit erhöhtem Vitamingehalt, günstigerer Fettzusammensetzung und verbesserter Resistenzen sind bereits heute Realität.

Mit Hilfe der Grünen Gentechnologie kann jedoch nicht nur der Nährstoffgehalt von Pflanzen verbessert werden. Durch geeignete Veränderungen können Pflanzen künftig auch zu "Biofabriken" werden, welche Impfstoffe und Medikamente kostengünstig und sicher herstellen. Beispiel für das sog. "molecular pharming" sind Impfstoffe gegen verschiedene Krankheiten und Karies, die bereits in klinischen Studien getestet werden.

Schweizer Pflanzenwissenschafter müssen im Grundlagen- und Anwendungsbereich der Grünen Gentechnologie weiterhin Spitzenleistungen erbringen, damit sie angesichts der weltweiten Entwicklung und dem Einsatz genetisch veränderter Pflanzen ihre Kenntnisse und ihr Know-how der Forschung, der Industrie und der Gesellschaft zur Verfügung stellen können. Aus dieser Spitzenposition leitet sich auch der Auftrag an die Schweizer Pflanzenwissenschafter ab, mit ihrer Forschung zur Lösung nationaler Probleme in der Landwirtschaft und zur Verbesserung der internationalen Nahrungsversorgung beizutragen. Damit ist die Schweizer Pflanzenforschung national und global eingebettet.

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