Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences

Volksinitiative "Pestizid-Initiative"

06.03.2020

Die Volksinitiatve "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" (Pestizid-Initiative) fordert ein nicht sachgerechtes Verbot. Sie ist innovationsfeindlich und bedroht den Forschungsstandort Schweiz. Pflanzenschutzmittel schützen die regionale landwirtschaftliche Produktion und sorgen für eine vielfältige Auswahl von Lebensmitteln in unseren Läden.

Position der Industriegruppe Agrar von scienceindustries

Die Pestizid-Initiative verbietet:

  • den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege
  • die Einfuhr von Lebensmitteln zu gewerblichen Zwecken, die synthetische Pestizide enthalten oder die mithilfe solcher hergestellt wurden.

Die Übergangsfrist gemäss Initiativtext beträgt 10 Jahre und die Übergangsbestimmungen sprechen von einer schrittweisen Umsetzung. Dies ist aber eine Illusion, denn das Verbot gilt schon nach dem Erlass der Ausführungsbestimmungen. Der Bundesrat kann nur in Notlagen Ausnahmen erlassen.

Weder wirtschaftlich noch wissenschaftlich begründbar

Die Initiative stützt sich auf die blosse Annahme, dass nicht-synthetische Pestizide besser seien. Fakt ist: Ohne Einsatz synthetischer Pestizide würde in der Schweiz die regionale Produktion einbrechen. Zudem: Gemäss der Initiative würde mit dem Verbot synthetischer Pestizide auch der Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft untersagt. Das bestätigt der Bundesrat in der Botschaft zur Initiative. Ein solches Verbot hätte ganz direkte Auswirkungen auf die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Lebensmittelsicherheit wäre gefährdet. Durch das Importverbot würden zudem viele beliebte Produkte und Lebensmittel dem Markt entzogen. Ein Verbot von synthetisch produzierten Pestiziden ist aber auch aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig: Ob ein Pestizid synthetisch ist oder nicht, sagt nichts über seine Toxizität (Giftigkeit) aus.

Nicht wissenschaftlich basierte Verbote schaden dem Innovationsstandort Schweiz

Der Standort Schweiz steht für ausgezeichnete Bildung, Forschung und Innovation. Gerade die chemische Industrie hat hier eine lange Tradition. Sie ist insgesamt für annähernd die Hälfte der schweizerischen Exporte verantwortlich. Der schweizerische Heimmarkt ist für die Branche mit nur 2% sehr klein. Dennoch: Für die chemische Industrie ist die Schweiz ein wichtiger Forschungs- und Produktionsstandort. Schweizer Unternehmen bringen im Bereich des Pflanzenschutzes hervorragende Produkte und Innovationen hervor. Die Schweiz liegt bei Forschung und Entwicklung für Pflanzenschutzmittel weltweit an der Spitze - auch betreffend Risikominimierung und nachhaltiger Anwendung. Dies soll so bleiben.

Die Pestizid-Initiative zielt auf ein undifferenziertes und wissenschaftlich nicht nachvollziehbares Verbot einer ganzen Gruppe chemischer Stoffe. Ein solches Verbot würde dazu führen, dass die forschende Pflanzenschutzindustrie ihre Forschungsstandorte ins Ausland verlegt, da keine Feldversuche mehr möglich sein werden. Auch Unternehmen, die chemische Vorstufen oder Zwischenprodukte erstellen, sowie die öffentliche Forschung – durch den Wegfall von Forschungskooperationen – wären indirekt betroffen.

Moderne Pflanzenschutzmittel sichern unsere Nahrung und schützen die Umwelt

Pflanzenschutzmittel schützen die landwirtschaftlichen Kulturen vor Krankheiten und Schädlingen und garantieren die Qualität der geernteten Produkte. Moderne Pflanzenschutzmittel sind spezifischer und wirksamer. Dank ihnen ernährt heute ein Hektar Agrarnutzfläche durchschnittlich 155 Menschen. Um 1900 waren es noch 4 Menschen pro Hektar. Pflanzenschutz entfaltet auch einen ökologischen Nutzen. Eine produktive Landwirtschaft braucht weniger Fläche und setzt bezogen auf die Produktionseinheit weniger CO2 frei.

Der Biolandbau würde auch stark leiden

Vom Verbot synthetischer Pestizide ist auch der Biolandbau betroffen, weil auch Bio-Pestizide teilweise synthetisch hergestellt werden oder synthetische Komponenten enthalten. Zudem: Das Kriterium «synthetisch» ist nicht tauglich, um die Risiken von Pflanzenschutzmitteln zu beurteilen. Nicht der Herstellungsprozess, sondern die Toxizität und die eingesetzte Menge bestimmen die Risiken. Das Insektizid Pyrethrum zum Beispiel, das aus den Blüten von verschiedenen Pflanzenarten gewonnen wird, tötet Bienen, die direkt damit in Kontakt kommen. Darüber hinaus sind die im Pyrethrum-Extrakt enthaltenen Pyrethrine Nervengifte, die auch das menschliche Zentralnervensystem angreifen können. Da weist ein selektiveres synthetisches Mittel möglicherweise die bessere Umweltbilanz auf. Die Initiative wird dem nicht gerecht. Sie propagiert ein einfaches Denken in schwarz und weiss, dass es so nicht gibt.

Importverbot ist WTO-widrig und schadet der exportierenden Industrie

Da die Initiative auch den Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pestiziden in Kontakt gekommen sind, verbieten will, würde die Auswahl von Lebensmitteln in unseren Läden massiv abnehmen. Das ist weder im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz noch der Landwirte und Kleinbauern in aller Welt, die vom Export ihrer Produkte leben. Dieses generelle Importverbot wäre zudem nicht kompatibel mit der Aussenhandelspolitik der Exportnation Schweiz. Das Verbot würde von der WTO nicht akzeptiert und lässt sich auch nicht mit den Bilateralen- und den Freihandelsabkommen vereinbaren. Weil die Initiative den privaten Import aber weiterhin zulässt, würde der Einkaufstourismus stark zunehmen.

Fazit: Die Pestizid-Initiative schrumpft nicht nur die regionale Produktion von Lebensmitteln in der Schweiz drastisch, sondern bedeutet ein eigentliches Importverbot für die Mehrheit importierter Lebensmittel. Die Preise von Nahrungsmitteln steigen massiv. Der Einkaufstourismus nimmt zu. Sie verunmöglicht sinnvolle Innovationen in der Schweiz und schadet der Handelsnation Schweiz.


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