Publikationen - Positionspapiere
Standortattraktivität stärken - Swiss Life Sciences Strategie
12.02.2026
Die international verhärtete Handelspolitik trifft die exportstarken Schweizer Industrien Chemie Pharma Life Sciences als Motor von Forschung, Wertschöpfung und zehntausenden Arbeitsplätzen unmittelbar. scienceindustries fordert deshalb eine kohärente Standortpolitik, die Produktionsstandorte, Forschungsaktivitäten und Unternehmensansiedlungen gleichermassen stärkt. Kernforderungen sind sicherer internationaler Marktzugang, innovationsfreundliche Regulierung sowie steuerliche und bildungspolitische Anreize für Forschung und Entwicklung, damit der Standort Schweiz resilient und international wettbewerbsfähig bleibt.
Die unipolare, liberale Weltordnung der letzten Jahrzehnte ist ins Wanken geraten. Damit hat sich auch die geopolitische Lage deutlich verschärft: Nationale Interessen rücken stärker in den Vordergrund, multilaterale Mechanismen stehen unter Druck und die regelbasierte Weltordnung verliert an Gewicht. Gleichzeitig nehmen handels- und industriepolitische Instrumente deutlich zu — zuletzt mit massiven Zoll-Ankündigungen gegenüber der Schweiz, die exemplarisch für den neuen Protektionismus stehen. Diese Entwicklung geht einher mit offensiven Bestrebungen von Ländern, vermeintliche Handelsbilanzdefizite zu adressieren und industrielle Produktion durch Förderprogramme, Subventionen und Reshoring-Initiativen stärker ins Inland zu verlagern. Doch nicht nur die Produktion wird von anderen Standorten mit Anreizen und Subventionen angelockt, sondern auch Aktivitäten in Forschung und Entwicklung.
Für die exportorientierten und in internationalen Lieferketten verflochtenen Industrien Chemie Pharma Life Sciences hat diese Entwicklung unmittelbare Folgen: Unterbrechungen und Fragmentierungen in globalen Wertschöpfungsketten, höhere Handelsschranken, steigende Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen sowie wachsender Druck auf Marktzugang und Wettbewerbsfähigkeit.
Für die Schweiz erweisen sich Chemie Pharma Life Sciences als Schlüsselindustrien: Rund 80'000 Vollzeitäquivalente (FTE) sind in der chemisch-pharmazeutischen Industrie beschäftigt; weitere 250'000 Stellen in anderen Industrien sind von Chemie Pharma Life Sciences abhängig. Seit Jahren erweist sich die chemisch-pharmazeutische Industrie als Schweizer Exportmeister mit rund der Hälfte der Schweizer Warenexporte. Rund 44 Prozent des Schweizer BIP-Wachstums gehen zwischen 2013 und 2023 auf das Konto der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Die Produktivität der chemisch-pharmazeutischen Industrie ist um ein Vielfaches höher als in der übrigen Wirtschaft.
Eine Abwanderung der Branche würde zu einem deutlichen Rückgang der durchschnittlichen Produktivität führen und damit die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung spürbar schwächen – mit direkten Folgen für die öffentlichen Finanzen. Bei einer Verlagerung der Pharmaindustrie wären Staatseinnahmen von rund 10 Milliarden Franken gefährdet (siehe: Wellersdorf & Partners: Druck auf Schweizer Pharma). Ohne ihren Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung pro Arbeitsplatz hätte die gesamtwirtschaftliche Produktivität in diesem Zeitraum stagniert. Zudem finanzieren diese Industrien über einen Drittel der gesamten privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung in der Schweiz – über 6 Milliarden Schweizer Franken im Jahr 2023 gemäss BFS. Sie tragen so wesentlich dazu bei, dass die Schweiz als internationaler Innovationshub gilt und auf globalen Innovationsindizes an der Spitze steht.
Für die Schweiz ist es wichtig, sich als ein starker Life-Sciences-Standort international zu behaupten und somit die Schlüsselindustrien des Landes langfristig zu wahren. Hierfür bedarf es einer langfristig ausgelegten nationalen Strategie für den Life-Sciences-Standort Schweiz.
- Strategieprinzipien für den Life-Sciences-Standort Schweiz
In der aktuellen globalen Wirtschaftslage bedarf es einer langfristig angelegten Schweizer Standortstrategie für Life Sciences. Diese muss über kurzfristige Einzelfragen hinausgehen und auf klaren, tragfähigen Prinzipien aufbauen. Diese leiten die politischen Forderungen und Massnahmen für Produktions-, Forschungs- und Unternehmensstandort und sorgen dafür, dass die Schweiz auch in einem fragmentierten, politisch getriebenen Welthandel konkurrenzfähig, innovationsfreudig und resilient bleibt. Es ist wichtig, zu begrenzen, dass eine Swiss Life Science Strategy keine Industriepolitik oder Subventionen fordert, sondern die Verbesserung der Standortbedingungen (siehe: Positionspapier zu Industriepolitik).
- Stärkung der Forschungs- und Innovationsbasis
Forschung und Innovation ist das Alleinstellungsmerkmal der Schweizer Wirtschaft. Langfristige Wettbewerbsfähigkeit beruht auf Spitzenforschung, qualifizierten Talenten und verlässlicher Förderung. Innovationszugang ist in der Gewichtung der Standortfaktoren ein entscheidender Faktor. Vergütungspolitik und Wertschätzung von Innovation sind zentral. Ebenso spielt die Stärkung der klinischen Forschung eine wichtige Rolle für den Standort Schweiz. Der Schutz des geistigen Eigentums bildet das Rückgrat unserer innovationsgetriebenen Industrie und verdient entsprechende Gewichtung auch in den Aussenhandelsbeziehungen der Schweiz. Staatliche Instrumente sollen gezielt Grundlagen- und angewandte Forschung ergänzen, steuerliche Anreize für private Forschung und Entwicklung (F&E) bieten und die mathematisch-naturwissenschaftliche (MINT) Ausbildung stärken.
- Technologie- und innovationsfreundliche Regulierung
Regulierungen sollen Innovationen fördern und honorieren, nicht hemmen. Die Schweiz sollte – eng abgestimmt mit internationalen Standards und ohne neue Handelshemmnisse zu schaffen – einen eigenständigen Innovationskurs verfolgen. Das bedeutet: Prozesse beschleunigen, unnötige nationale Verschärfungen in Richtung «Swiss Finish» vermeiden und auf internationale Kompatibilität setzen, damit Forschung, Zulassung und Marktzugang effizienter werden. Technologieoffenheit fördert Innovation – Technologieverbote verhindern Innovation. Kurzfristig muss sichergestellt werden, dass sich die Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern. Aufbauend auf Regulierungsabbau und -optimierung sollte im zweiten Schritt eine nationale Life-Sciences-Strategie entwickelt werden, die den Pharmastandort Schweiz stärkt und die Pharmaindustrie als zentralen Pfeiler des wirtschaftlichen Wohlstands positioniert.
- Wettbewerbsfähiger Produktions- und Unternehmensstandort
Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen im Energie- und Umweltbereich, qualifizierte Fachkräfte sowie ein steuerlich attraktives Umfeld sind entscheidend, damit Unternehmen Produktion, Hauptsitz-Funktionen und Management in der Schweiz ansiedeln und ausbauen können.
- Bewahrung eines regelbasierten, diskriminierungsfreien Marktzugangs
Freier und fairer Zugang zu internationalen Märkten ist die Grundlage für exportorientierte Life-Sciences-Unternehmen. Die Schweiz muss sich aktiv für multilaterale Regeln einsetzen und gegen diskriminierende industriepolitische Massnahmen, Subventionspraktiken oder Schutzzölle wehren, damit Exportchancen und internationale Kooperationen nicht durch Protektionismus geschmälert werden. Dabei sollte sie die ihr durch die multilateralen Regeln zur Verfügung gestellten Werkzeuge nutzen. Eine langfristig und strategisch ausgelegte Aussenwirtschafts- und Handelsdiplomatie ist dabei zentral. Neben dem Schutz nationaler Interessen braucht es aktive Diplomatie: Verhandlungen, bi- und plurilaterale Abkommen und die Nutzung multilateraler Institutionen, um negative Effekte von Reshoring- oder protektionistischen Programmen in Drittstaaten abzumildern und Marktzugang nachhaltig zu sichern. Dabei spielen strategische Partnerschaften, die für eine regelbasierte internationale Ordnung einstehen, eine besondere Rolle. Im weiteren Sinne ist es für uns auch ein Standortvorteil für die Schweiz, wenn der internationale Platz Genf gestärkt wird: Zugang zu internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Konferenzen im Bereich der globalen Gesundheit und Gesundheitsregulierung ist für unser Unternehmen wertvoll.
Diese Prinzipien bilden das normative Gerüst für die Forderungen in den Bereichen Produktion, Forschung und Unternehmensansiedlung und helfen, kurzfristige Antworten mit langfristiger Standortstärke zu verbinden.
Die spezifischen Handlungsfeldern und der Handlungsbedarf für die Schweiz entnehmen Sie dem vollständigen Positionspapier.