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Eawag-Gewässerbelastungsstudie: mit Sachlichkeit zu Impact

Die heutige Kommunikation der Eawag zu ihrer Studie über die Belastung der Schweizer Gewässer durch die chemisch-pharmazeutische Industrie verleitet zu Fehlschlüssen. Auch finden aufgrund der Studie bereits getroffene Massnahmen nur marginal Erwähnung.

19.07.2022

Bessere Analytik führt zu mehr Erkenntnissen: Vor diesem Hintergrund begrüsst scienceindustries den Fortschritt der Wissenschaft und Technik in allen Bereichen. Im Sinne der Responsible Care-Initiative vertiefen unsere Mitglieder laufend ihre Kenntnisse und fördern die Forschung über mögliche Auswirkungen unserer Prozesse, Produkte und Abfälle auf Mensch und Umwelt.

Industrie leistet ihrerseits einen Beitrag

In diesem Sinn liefert die von der Eawag publizierte Studie einen Beitrag, weshalb scienceindustries in der Projektbegleitgruppe vertreten war und einige unserer Mitgliedsunternehmen an den Messungen der Eawag mit Informationen zu den hergestellten Substanzen mitgewirkt haben. Diese konstruktive Mitarbeit wurde im Eawag-Newsartikel jedoch nicht adäquat erwähnt, was wir sehr bedauern.

Der alarmistische Newsartikel verleitet zum Kurzschluss, dass die Mehrzahl der modernen Kläranlagen ihre Aufgabe der Reinigung von Chemikalien nur unzureichend wahrnimmt. Des Weiteren wurde verfehlt, die Ergebnisse der Eawag-Studie in einen, auch für ein Laienpublikum verständlichen und einordbaren Kontext zu stellen: So wird beispielsweise nicht erklärt, was mit "toxisch" gemeint ist und was die Aussage bedeutet, dass "nicht registrierte Chemikalien" gefunden wurden.

Vor diesem Hintergrund ist zu den im Eawag-Newsartikel erwähnten Punkten zu präzisieren:

  • Mehr Stoffe und höhere Konzentrationen als im häuslichen Abwasser: Es überrascht nicht, dass Industrieabwasser mehr Stoffe sowie eine höhere Konzentration an synthetischen organischen Verbindungen als das häusliche Abwasser umfassen können. Zugleich haben die Forschenden festgestellt, dass produzierende Standorte mit einem guten Abwassermanagement einen geringeren Einfluss auf die Kläranlagen haben. Die Industrie unternimmt bereits viel, um sich an solchen best practice Beispielen zu orientieren.
  • Spiegel der Produktionsprozesse: Es ist korrekt, dass die chemische Vielfalt der Abwässer sehr standortspezifisch ist und durch Art und Umfang der Abwasser-Vorbehandlung – die Praxis, wie die Betriebe ihr Abwasser zur Kläranlage schicken, oder den Betrieb der Kläranlagen – beeinflusst ist. Als eine der bereits eingeleiteten Massnahmen wird ein Leitfaden erarbeitet mit dem Stand der Technik im Bereich des Abwassermanagements in den entsprechenden Industrien. In Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen wird scienceindustries sich dafür einsetzen, dass diese Kenntnisse in der Praxis effektiv zum Tragen kommen. 
  • Komplexe Mischungen: Industrielle Abwässer können eine grössere Substanzvielfalt aufweisen. Darunter können toxische Verbindungen eine Gefährdung von Wasserorganismen darstellen. Die Aussage, dass nicht registrierte Chemikalien gefunden werden, lässt sich ohne Kontext nicht einordnen.

Die an der Studie beteiligten Forschenden schliessen, dass die gängige Praxis zur Prüfung und möglichen Verbesserung der Wasserqualität nicht genüge. scienceindustries teilt die Auffassung, dass massgeschneiderte Monitoringprogramme und Massnahmen als begrüssenswerte Handlungsansätze zu prüfen sind. Die Gewässerschutzexperten unserer Mitgliedsunternehmen sind daran interessiert, dass schnelle ökotoxikologische und Abbaubarkeits-Tests entwickelt werden. Dank der rascheren Bestimmung der Toxizität – in Kombination mit der relevanten Analytik – lassen sich Substanzen entsprechend bestimmen. Mit gezielten Massnahmen, sowohl beim Abwassermanagement als auch bei der Produktion, können Gewässer noch effizienter geschützt werden.

Gesetzliche Regulierungen oder Verbote als ultima ratio

Im Eawag-Newsartikel werden Strategien zur Minderung der Belastungen vorgeschlagen, die einen sehr breiten Bereich umfassen. Massnahmen zur Änderung der Abwasserbehandlungspraxis in den Unternehmen wurden bereits eingeleitet – so zum Beispiel die Anpassung des Vorbehandlungssystems, sodass für die erhöhte Algen-Toxizität verantwortliche Substanz nicht mehr entstanden ist. Derweil sollen neue gesetzliche Regulierungen oder gar Verbote als ultima ratio zum Zug kommen.

scienceindustries sowie Vertreter der Mitgliedsunternehmen eruieren mit den Forschenden der Eawag sowie weiterer Institute neue Methoden und beteiligen sich an entsprechenden Forschungsprojekten. Es ist und bleibt ausgesprochenes Ziel der Industrie, den Impact ihrer Aktivitäten soweit wie möglich zu verringern. Sie wird sich ebenfalls an der Ausarbeitung des Leitfadens über den Stand der Technik des Abwassermanagements in der Pharma- und Chemieindustrie beteiligen, welcher vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA verfasst wird.

Weitere Auskünfte:

Pia Guggenbühl, Bereichsleiterin Public Affairs & Kommunikation
pia.guggenbuehl@scienceindustries.ch, Tel. +41 79 566 60 10

Linda Kren, Leiterin Umwelt & Responsible Care
linda.kren@scienceindustries.ch, Tel. +41 44 368 17 11

 

 


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