Portrait - Organisation
Jahresanlass 2026
Die Schweizer Chemie- und Pharmaindustrie gehört weltweit zu den wettbewerbsfähigsten. Doch bei Innovation und Technologieführerschaft verliert sie an Boden. Wie lässt sich der Platz auf dem Podest sichern, und welche Rolle kann künstliche Intelligenz dabei spielen? Darüber diskutierten am 4. November 2026 im Kongresshaus Zürich 110 Gäste, darunter Mitglieder von scienceindustries und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien.
scienceindustries-Präsidentin Annette Luther eröffnete die Standortdebatte mit der Frage, was die Schweiz tun kann, um ihre Position zu sichern. Dazu zählen für sie offene Märkte dank neuer bzw. modernisierter Freihandelsabkommen und der Bilateralen III mit der EU. Für den Life Sciences-Standort hob sie Rechtssicherheit, schlanke Bewilligungsverfahren für klinische Studien und den Schutz des geistigen Eigentums hervor. Wie dringend diese Fragen sind, zeigten die Ergebnisse des Global Industry Competitiveness Index (GICI) 2026, die Michael Grass von BAK Economics im Gespräch mit Sonja Hasler einordnete. Die Schweiz bleibt insgesamt auf Rang 3 und führt bei der Standortqualität. Bei Innovation und Technologieführerschaft ist sie seit 2024 von Rang 2 über Rang 5 auf Rang 7 zurückgefallen. Bei Marktzugang und Regulierung liegt sie auf Rang 18.
Wie die Schweiz ihre Forschungsstärke besser nutzen kann, wurde am Beispiel der KI konkret. Damit aus Forschung schneller neue Anwendungen entstehen, braucht es aus Luthers Sicht standardisierte Gesundheitsdaten und eine massvolle, international anschlussfähige Regulierung. In seiner Keynote zeigte Prof. Dr. Markus Lill von der Universität Basel, wo KI in der Wirkstoffforschung bereits hilft und wo ihre Grenzen liegen. So können Modelle etwa vorhersagen, wie gut ein Molekül an ein Zielprotein bindet. Das hilft bei der Entscheidung, welche Kandidaten im Labor näher untersucht werden.
Von der Forschung ging der Blick auf die Arbeitswelt. Unter der Moderation von Sonja Hasler diskutierten Markus Lill, Dr. Arndt Finkelmann (Syngenta), die Digitalexpertin Dr. Sarah Genner und Jamila Shoazizova, die ihre Ausbildung bei Novartis absolvierte und von aprentas als «Apprentice of the Year» 2026 ausgezeichnet wurde. Im Zentrum stand die Frage, welche Aufgaben KI übernehmen kann, wo menschliches Urteilsvermögen gefragt bleibt und was das für die Ausbildung des Nachwuchses bedeutet. Nach den Fragen aus dem Publikum zog scienceindustries-Direktor Stephan Mumenthaler Bilanz. Beim anschliessenden Stehlunch wurde der Austausch fortgesetzt.
Die Fotogalerie zeigt Eindrücke aus dem Kongresshaus Zürich. Fotos: Mara Truog / maratruog.ch
Weitere Bilder und ein Videorückblick folgen in Kürze.