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Sessionsinfo der Schweizer Agrarindustrie

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Sessionsinfo der Schweizer Agrarindustrie

Mit der Sessionsinfo der Industriegruppe Agrar bleiben Sie über aktuelle Agrarthemen auf dem neuesten Stand. Jeweils vor den Sessionen informieren wir Sie über die wichtigsten Geschäfte im Bereich Pflanzenschutz, welche von den Eidgenössischen Räten in den Sessionen behandelt werden.

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Sessionsinfo der Agrarindustrie - Februar 2022

Nachhaltige Ernährungssysteme: Viel Potential in der Landwirtschaft

Es ist unumstritten, dass unser globales Ernährungssystem nicht nachhaltig ist. Laut der FAO wird die weltweite Lebensmittelnachfrage von 2007 bis 2050 voraussichtlich um 60% steigen, angetrieben durch sich ändernde Konsummuster und das globale Bevölkerungswachstum. Aber welche Lösungen sind gefragt und welchen Beitrag kann die Schweiz leisten?

Aktuell sind mehr als zwei Milliarden Menschen auf dem Planeten fehlernährt, fast 800 Millionen unterernährt und mehr als eine Milliarde übergewichtig und fettleibig. Gleichzeitig geht ein Drittel der produzierten Lebensmittel verloren oder wird verschwendet [1]. Es überrascht nicht, dass eine nachhaltige Ernährung und Ernährungssysteme zunehmend ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und der politischen Debatte rücken. Von diesen wird erwartet, globale Herausforderungen, wie die Beseitigung von Hunger und Fehlernährung, zu lösen und gleichzeitig das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten.

Innovationen steigern die nachhaltige Lebensmittelproduktion

Die Transformation in Richtung eines nachhaltigeren Ernährungssystems wird nicht ohne eine Veränderung des globalen Konsummusters gelingen. Aufgrund verschiedener Faktoren (anhaltendes Bevölkerungswachstum, steigende Kaufkraft bei gleichzeitig abnehmenden Ackerflächen) wird allerdings eine Ernährungsumstellung in den entwickelten Ländern allein nicht ausreichen. Wir werden mehr und effizienter produzieren müssen.

Allerdings kann diese Produktivitätssteigerung nur nachhaltig sein, wenn sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern neue Technologien zur Verfügung stehen. Allein dank Precision Farming und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz, Drohnen, Roboter und intelligenten Bewässerungssystemen könnte global bis 2050 eine Produktivitätssteigerung von 70% erreicht werden [2]. Neue Züchtungsverfahren könnten beliebte, etablierte Sorten zielgenau mit Resistenzen oder Toleranzen (z.B. gegen Nässe oder Dürre) ausstatten. Zudem werden Pflanzenschutzmittel der letzten Generation dabei helfen, dies gezielt und mit minimalen Nebenwirkungen durchführen.

Schweiz als Innovationsleuchtturm

Die Schweiz soll als wichtigster Forschungs- und Innovationsstandort Europas globale Verantwortung übernehmen und das Ernährungssystem der Zukunft aktiv mitgestalten. Dazu braucht es solide angewandte sowie Grundlagenforschung und technologiefreundliche Rahmenbedingungen, die Innovationen fördern. Gerade mit dem Ausschluss vom Forschungsprogramm Horizon Europe ist dies wichtiger denn je. Die Schweiz erlebt heute bereits die Auswirkungen einer Schwächung der öffentlichen sowie privaten Forschung und damit der Attraktivität des Standorts.

Die aktuellen Entwicklungen in Sachen Regulierung neuer Züchtungsverfahren sind erfreulich und ein positives Signal für den Standort Schweiz. Konkrete und praxistaugliche Rahmenbedingungen für neue Technologien, und insbesondere für die neuen Züchtungsverfahren, sind zentral, um künftig die Möglichkeiten dieser Technologien zugunsten einer nachhaltigeren Schweizer und globalen Landwirtschaft nutzen zu können.

Risiken minimieren, ohne den Fortschritt zu bremsen

Weniger erfreulich sind hingegen die Entwicklungen im Bereich Pflanzenschutz. Der Fokus auf die Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln für die Schweizer Gewässer ist richtig und unbestritten. Die im Rahmen der Umsetzung der Pa.Iv. 19.475 („Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren“) neu eingeführten Einschränkungen gehen aber definitiv zu weit. Restriktionen, die zu keiner substanziellen Risikoreduktion führen, belasten unnötigerweise Landwirtschaft und Industrie und können sogar Innovation und Fortschritt bremsen. Der Grenzwert von 0.1 mg/l für alle Abbauprodukte, unabhängig von deren toxikologischen Eigenschaften ist zum Beispiel wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen und wird zum Verbot wertvoller Wirkstoffe führen, die die Schweizer Bauern mangels Alternativen noch dringend benötigen. Auch die Umsetzung der vom Parlament eingeführten Meldepflicht für Pflanzenschutzmittel und Biozide droht sich zu einem Bürokratiemonster zu entwickeln. So bringt z.B. die von den Behörden angedachte Meldepflicht für Industrie und Handel keine grosse weitere Risikoreduktion trotz zusätzlichem Mehraufwand für alle Beteiligten.

Neue Studie zeigt die Notwendigkeit von Innovationen in der Landwirtschaft

Welche negativen Auswirkungen zu einschränkende Massnahmen haben können, zeigt nicht zuletzt eine Studie der niederländischen Universität Wageningen (WUR) [3], welche vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Gemäss dieser sind von der „Farm to Fork Strategy“ der EU (Green Deal) eine geringere landwirtschaftliche Produktivität, höhere Lebensmittelpreise, eine steigende Abhängigkeit von Importen sowie die Verlagerung der Umweltauswirkungen ins Ausland zu erwarten. Grund dafür sind u.a. die vorgesehene starke Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und die ambitiöse Erhöhung des Anteils des Biolandbaus. Als Gegenmittel für die zu erwartenden Ertragseinbussen empfehlen die Forschenden Innovationen in der Pflanzenproduktion. Diesen Weg soll die Schweiz ebenfalls gehen. Dazu gehört, neben innovationsfördernden Rahmenbedingungen für neue Technologien, auch ein funktionierendes und transparentes Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel, welches den Schweizer Landwirten raschen Zugang zu den modernsten und sichersten Mitteln ermöglicht.

Parlamentsgeschäfte

21.049 «Gentechnikgesetz. Änderung»
Im Nationalrat am 2. März 2022 und im Ständerat am 8. März 2022
Empfehlung: JA zum Antrag der Mehrheit der WBK-N: Ausarbeitung einer risikobasierten Zulassungsregelung für neue Züchtungsverfahren

21.308 Kt. Iv. Waadt. «Für eine Schweiz ohne gentechnisch veränderte Organismen!»
Im Nationalrat am 2. März 2022
Empfehlung: NEIN zur Standesinitiative

Begründung: Die Industriegruppe Agrar lehnt ein erneutes Gentech-Moratorium ohne wissenschaftliche Grundlage grundsätzlich ab. Es sollen hingegen, wie von der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK-N) vorgeschlagen, die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, damit im Bereich der Bio- und Gentechnologie der wissenschaftliche Fortschritt auch in der Schweiz vorangetrieben und genutzt werden kann. Neue Züchtungsmethoden könnten künftig einen entscheidenden Beitrag zu einer produktiven und gleichzeitig umweltfreundlicheren und klimaresilienteren Landwirtschaft leisten.

20.3674 Mo. «Geistige Eigentumsrechte. Anpassung im Bereich Pflanzenzucht»
22.3014 Mo. «Mehr Transparenz bei den Patentrechten im Bereich Pflanzenzucht»
Im Ständerat am 12. März 2022
Empfehlung: NEIN zu den Motionen

Begründung: Bestehende Industrielösungen und niederschwellige Angebote, wie jenes der Patentrecherche durch das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE), verbessern die Transparenz weiter – ohne Revision des Patentgesetzes und ohne dabei in die hoheitlich erteilten Rechte von Patentinhabern einzugreifen. Diese Lösungen sind umsetzbar, haben die gewünschte Wirkung, stehen im Einklang mit der europäischen Patentordnung und stärken die Wettbewerbsfähigkeit der im Saatgutbereich tätigen Schweizer Firmen, Forschungsanstalten und Institutionen. Es sind überdies keine Klagen von Inhabern von Saatgut-Patenten in der Schweiz wegen möglicher Patent-Verletzungen bekannt, weshalb Eingriffe in die unternehmerische Freiheit und Verantwortung nicht angezeigt sind.

 

[1] Alexandratos, N & Bruinsma, J (2012) World Agriculture Towards 2030/2050: the 2012 Revision. ESA Working Paper. Rome: FAO.

[2] The global food system: Identifying sustainable solutions. Credit Suisse Report, 2021.

[3] Johan Bremmer et al. 2021, Impact assessment of EC 2030 Green Deal Targets for sustainable crop production, Wageningen Economic Research Report 2021-150

 

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