Publikationen - «Carte Blanche» Gastbeiträge
Martin Waser, Sika AG
03.06.2026
Nachhaltigkeit – Wettbewerbsvorteile müssen erarbeitet werden
Regulatorische Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit nehmen stark zu und binden in Unternehmen spürbar mehr Ressourcen. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht nur in der Einhaltung einzelner Vorgaben, sondern darin, neue Anforderungen einzuordnen, Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen. Wettbewerbsvorteile entstehen dabei nicht automatisch. Sie müssen aktiv erarbeitet werden und setzen ein gutes Zusammenspiel verschiedener Funktionen im Unternehmen voraus.
Die Dynamik regulatorischer Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die Schweiz und die EU, sondern betrifft auch zahlreiche weitere Staaten. Für international tätige Unternehmen erhöht dies die regulatorische Komplexität erheblich.
Am deutlichsten zeigt sich die regulatorische Verdichtung in Europa. Die Bandbreite reicht von entwaldungsfreien Lieferketten über Kommunikationsvorgaben und Verpackungsanforderungen bis hin zu Berichts- und Offenlegungspflichten. Beispiele sind die Entwaldungsverordnung (EUDR), die Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel (EmpCo), neue Anforderungen an Verpackungen (PPWR) sowie Berichts- und Offenlegungspflichten wie CSRD und die EU-Taxonomie. Nachhaltigkeit ist nicht länger freiwilliges Engagement, sondern verbindlich. Entscheidend wird die Fähigkeit von Unternehmen, regulatorische Vorgaben frühzeitig einzuordnen, Relevanz zu erkennen und begrenzte Ressourcen gezielt einzusetzen. Wettbewerbsvorteile entstehen da, wo Priorisierung, Umsetzung und interdisziplinäre Kollaboration gelingen.
Die regulatorische Verdichtung verfolgt ein legitimes Anliegen. Klare und praktikable Vorgaben schaffen Transparenz und setzen Leitplanken für nachhaltiges Wirtschaften. Die Entwicklung auf europäischer Ebene hat allerdings gezeigt, dass einzelne Vorhaben handwerkliche Schwächen aufweisen, überarbeitet, verschoben oder nur scheinbar vereinfacht wurden. Präzisere und einfachere Regulierung würde Unternehmen spürbar entlasten und die Umsetzung erleichtern. Hier sind auch Industrie und Verbände gefordert.
Nachhaltigkeit ist jedoch nicht nur ein regulatorisches Thema. Gerade für innovative Unternehmen wie Sika liegt die Chance darin ökologische Vorteile mit hoher Leistungsfähigkeit und konkretem Nutzen für Kunden verbinden. Zirkuläre Wertschöpfung zeigt sich etwa in recyclingfähigen Materialien, längerer Produktlebensdauer und einem sparsameren Einsatz von Rohstoffen. Dafür muss Nachhaltigkeit frühzeitig in strategische Entscheidungen, Produktentwicklung und weitere Geschäftsprozesse einbezogen werden
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden die wirtschaftliche Entwicklung dauerhaft prägen. Die Einhaltung von Nachhaltigkeitsvorgaben verschafft nicht automatisch Wettbewerbsvorteile. Entscheidend sind klare Führung, konsequenter Priorisierung und enge, interdisziplinäre Abstimmung. Zugleich ist nachhaltiges Handeln in vielen Unternehmen nicht nur eine Reaktion auf regulatorische Anforderungen. Es beruht auch auf der eigenen Motivation, Innovation, Ressourceneffizienz und langfristige Wertschöpfung stark an Nachhaltigkeitszielen auszurichten.
Martin Waser*
Head Legal Sustainability & Regulatory Governance, Sika
*Die in diesem Beitrag vertretenen Ansichten sind meine persönlichen und spiegeln nicht notwendigerweise die Position meiner Arbeitgeberin wider.