Publikationen - Studien
Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Chemie Pharma Life Sciences 2022
04.11.2022
Die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schweiz glänzt einmal mehr mit erstklassiger internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Gute Rahmenbedingungen und Spitzenleistungen in Wertschöpfung und Produktivität sorgen für eine erneute Zweitplatzierung im «Global Industry Competitiveness Index» 2022. Die unsicheren Beziehungen der Schweiz zur EU drohen jedoch, den Industrien erheblichen Schaden zuzufügen.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schweiz verfügt über eine sehr hohe Wettbewerbsfähigkeit: Im «Global Industry Competitiveness Index (GICI)» 2022 – dem globalen Vergleich von Chemie- und Pharma-Standorten – belegt sie insgesamt den zweiten Platz. Gegenüber 2021 hat der Schweizer Standort hinsichtlich Marktstellung und Innovation aber leicht an Boden verloren, grosse Schwachstelle bleibt die Digitalisierung.
Ein bedeutendes Risiko stellt die Unsicherheit über die künftigen Beziehungen zur EU dar. Bleibt der Zugang zum Horizon Europe-Forschungsprogramm weiter eingeschränkt, wird dies die Innovationskraft und damit das Rückgrat der Wettbewerbsfähigkeit der chemisch-pharmazeutischen Unternehmen spürbar belasten.
GICI Top 10: Schweiz auf Platz 2
Der 2022 zum dritten Mal von BAK Economics im Auftrag von scienceindustries berechnete Global Industry Competitiveness Index misst die Wettbewerbsfähigkeit in vier Domänen: «Performance», «Marktstellung & Leistungsfähigkeit», «Innovation & Technologieführerschaft» sowie «Standortqualität». Die Schweiz liegt wie in den Vorjahren auf dem zweiten Rang und muss sich nur den USA geschlagen geben.
Wie sonst kein anderes Land zeigt die Schweiz ein sehr ausgewogenes Stärkenprofil. Irland verliert die letztjährige Spitzenposition und rutscht auf Rang 3 ab. Im Verfolgerfeld befinden sich mit Schweden, Dänemark, Niederlande und Belgien vier weitere europäische Standorte. Das asiatische Trio aus China, Singapur und Japan komplettiert die Top 10.
Stärken und Schwächen der Schweiz
Besonders gut schneidet die Schweiz in den Bereichen «Performance» und «Standortqualität» ab. Bei der Performance liegt die Schweiz aufgrund des hohen Wertschöpfungs- und Produktivitätswachstums weltweit auf Platz 1. Bei der Standortqualität (Besteuerung, Regulierung, usw.) belegt die Schweiz einen hervorragenden zweiten Platz.
In den Domänen «Marktstellung & Leistungsfähigkeit» sowie «Innovation & Technologieführerschaft» rutscht die Schweiz gegenüber 2021 jeweils vom dritten auf den vierten Rang ab und wird von China beziehungsweise Schweden überholt. Ein klarer Schwachpunkt in der Schweiz ist die Digitalisierung. Sowohl in der Implementierung digitaler Technologien im Gesundheitssystem als auch in der digitalen Durchdringung von Forschungspatenten droht die Schweiz den Anschluss zu verlieren.
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Fokusthema 2022: Beziehungen zur EU
Das Fokusthema des diesjährigen GICI-Reports 2022 befasst sich mit den Beziehungen der Schweiz zur EU und deren Auswirkungen auf die Industrien Chemie Pharma Life Sciences. Der Abbruch der Verhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen gefährdet mittel- bis langfristig die wirtschaftlichen Vorteile der bilateralen Verträge. Auch die hohe Wettbewerbsfähigkeit der chemisch-pharmazeutischen Industrie am Wirtschaftsstandort Schweiz gerät hierdurch unter Druck.
- Fehlende Vollassoziierung an Horizon Europe: Forschende und Unternehmen aus der Schweiz haben derzeit nur eingeschränkten Zugang zum weltweit grössten Forschungs- und Innovationsförderprogramm Horizon Europe. Je länger dieser Zustand anhält, desto eher drohen Einbussen bei der Innovationskraft. Die heutigen Stärken des Standorts werden damit gefährdet, denn ein Rückgang in den Forschungsaktivitäten schmälert das Potenzial für künftige Produktinnovationen und wirtschaftliches Wachstum in der Schweiz.
- Potenzieller Wegfall der Personenfreizügigkeit: Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist wie kaum eine andere Branche vom Zugang zu ausländischen Arbeitskräften abhängig. Ohne Personenfreizügigkeit würden sich der Fachkräftemangel verschärfen und die administrativen Kosten steigen. Die Folge wäre eine Verschlechterung der Standortqualität. Das Wachstumspotenzial könnte nicht mehr wie gewohnt ausgeschöpft werden.
- Künftiger Zugang zum EU-Markt unsicher: Die EU ist der wichtigste Handelspartner der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Schweiz. Das Abkommen über den Abbau technischer Handelshemmnisse ist daher von hoher Bedeutung. Falls gegenseitige Konformitätsbewertungen künftig nicht mehr aktualisiert werden, sind steigende Kosten und ein höherer administrativer Aufwand die Folge. EU-Standorte gewinnen dadurch gegenüber dem Standort Schweiz an Attraktivität.