Wirtschaftsverband Chemie Pharma Life Sciences
Berufsbildung 2030: Berufsbilder der Zukunft

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Berufsbildung 2030: Berufsbilder der Zukunft

24.08.2023

Die Tätigkeiten von Berufsleuten in Chemie, Pharma und Life Sciences befinden sich aktuell stark im Wandel. Deshalb ist scienceindustries dabei, gemeinsam mit dem auf Bildungsthemen spezialisierten Dienstleister Ectaveo und dem Ausbildungsverbund aprentas ein neues Bildungs- und Karrieresystem mit zukunfts- und arbeitsmarktorientierten Berufen für die Branche zu entwickeln.

Projekt «scienceindustries Berufsbildung 2030»

Durch die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die demografische Entwicklung, den technologischen Wandel und die Lieferengpässe im Ausland steigt mittel- bis langfristig die Nachfrage nach gut qualifizierten Fachleuten in diesen Berufen. Es stellt sich die Frage, ob das aktuelle Berufsbildungssystem die Arbeitsmarktbedürfnisse der Zukunft erfüllt.

Im Projekt «scienceindustries Berufsbildung 2030» werden die aktuellen und zukünftigen Arbeitsmarktanforderungen der relevanten betrieblichen Funktionen erfasst und ein zukunftsgerichtetes und flexibles Berufsbildungssystem entwickelt. Das Projekt startete im Frühjahr 2022. scienceindustries ist eine der Trägerorganisationen von drei formalen eidg. Abschlüssen der beruflichen Grundbildung und von vier der höheren Berufsbildung (siehe Abbildung 1) und somit mitverantwortlich für die Berufsentwicklung gegenüber dem SBFI.

 

 

Abbildung 1: aktuelles Berufsbildungssystem scienceindustries

 

Das Projekt in drei Phasen

 

Das Projekt «scienceindustries Berufsbildung 2030» ist in drei Phasen unterteilt (siehe Abbildung 2). Nach Projektabschluss folgt in einem nächsten Schritt die Umsetzung z. B. mit Reformvorhaben zu einzelnen Berufen.

Abbildung 2: Phasenplanung

In einer breit abgestützten Zukunftsumfrage mit 192 Expertinnen und Experten der Branche in der gesamten Schweiz — Kadermitarbeitende mit langjähriger Berufserfahrung, die sich mit strategischen Fragen beschäftigen — wurde in einer ersten Phase die zukünftige Entwicklung der Branche erhoben. Die Rücklaufquote betrug 71%, und es trafen Rückmeldungen aus 18 Kantonen ein. Als besonders relevant haben die Befragten folgende Zukunftsthesen und -tätigkeiten eingestuft:

Zukunftsthesen

Zukunftstätigkeiten

  • Fokus auf Weiterbildung und Flexibilität legen
  • Verhaltensbasierte Sicherheit ist und bleibt wichtig
  • Sichere Produktion durch krisenresistente Beschaffung, weniger Single Sourcing
  • Nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energie werden unumgänglich
  • Innovation durch Diversität und Zusammenarbeit fördern
  • Sicher mit Daten umgehen
  • Mit neuen Arbeitsprozessen / Prozesstechnologien umgehen
  • Persönliche Kompetenzentwicklung sicherstellen
  • Innovation in Arbeitsprozessen generieren
  • Unternehmerisch denken und handeln
  • Eigenverantwortlich arbeiten

 

In einem zweiten Teil der Zukunftsumfrage wurden Rückmeldungen zum aktuellen Berufsbildungssystem der Branche eingeholt. Demnach liefert das heutige Berufsbildungssystem die Fachkräfte der Zukunft nur bedingt genau, was den Handlungsbedarf bestätigte.

In der Phase II des Projektes wurde im Rahmen eines Strategieworkshops ein erster Entwurf für ein zukünftiges Berufsbildungssystem im Bereich Chemie, Pharma, Life Sciences entwickelt und diskutiert. Daraus ergaben sich Eckwerte, die für ein neues Berufsbildungssystem der Branche gelten sollen. Bei jedem Eckwert steht jeweils der Nutzen für die Betriebe im Zentrum.

 

Eckwerte Berufsbildungssystem

Nutzen für die Betriebe

1

Wir benötigen eine starke berufliche Grundbildung.

  • Kompetente Nachwuchsfachkräfte mit starkem Praxisbezug
  • Betriebsnahe Ausbildung
  • Übernahme von sozialer Verantwortung
  • Stärkung der Standortsicherheit

 

2

Wir benötigen eine starke höhere Berufsbildung und gestalten sie arbeitsmarktgerecht in ihrem Inhalt, ihrer Struktur und im System aus, um ihren betrieblichen Nutzen zu steigern.

 

  • Praxisorientierte Weiterentwicklung der Mitarbeitenden
  • Kompetente Fachkräfte in der Branche halten
  • Steigerung der Attraktivität der beruflichen Grundbildung

 

3

Wir benötigen eine durchgängige Laufbahn in der Berufsbildung sowie eine hohe Durchlässigkeit zum non-formalen Bereich und zum Hochschulbereich.

  • Höhere Attraktivität des Berufsfeldes
  • Kein Abschluss ohne Anschluss
  • lebenslanges Lernen
  • vielfältige Karrierewege

 

4

Wir schaffen Möglichkeiten für Quereinsteigende, einen Abschluss für die Branche zu erlangen.

 

  • Zusätzliche Fachkräfte für die Branche gewinnen

 

 

5

Wir etablieren ein non-formales System mit Schnittstellen zum formalen System. scienceindustries hat darin eine koordinative Aufgabe und übernimmt die Qualitätssicherung des Systems.

 

  • Höhere Flexibilität, Schnelligkeit
  • Spezifische Förderung von Mitarbeitenden

 

Nächste Schritte

 

In Phase III (Fokus 2023) werden auf Basis der Erkenntnisse aus Phase I und der strategischen Ausrichtung aus Phase II die konkreten Tätigkeitsprofile für die zukünftigen Abschlüsse in enger Zusammenarbeit mit Praxisexpertinnen und Praxisexperten erarbeitet und genehmigt. Diese Ergebnisse fliessen in die Ausgestaltung des Detailkonzepts für das Bildungssystem der Bereiche Chemie, Pharma und Life Sciences ein.

Anschliessend können aufbauend auf diesen Ergebnissen im Rahmen von abgestimmten Initiativen und Massnahmen die Bildungserlasse für die einzelnen Abschlüsse reformiert werden und die nötigen non-formalen Bildungsangebote und Zertifikatsabschlüsse entwickelt werden. Erste Berufsbilder, bei denen das Vorgehen umgesetzt wird, sind Chemie und Pharmatechnologe/-in (EFZ) und Chemie- und Pharmapraktiker/-in (EBA). Aktuell sind beide Berufsbilder in der 5-Jahres-Überprüfung.

 

Kontakte
aprentas: Nicole Koch, nicole.koch@aprentas.com
Ectaveo: Petra Hämmerle, petra.haemmerle@ectaveo.ch
scienceindustries: Noël Palushaj, noel.palushaj@scienceindustries.ch

 


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