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Dossiers - Bildung

KI im Kampf gegen Fachkräftemangel: Lösung mit Nebenwirkungen?

24.03.2026

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Doch hilft sie tatsächlich gegen den Fachkräftemangel – oder verschärft sie ihn sogar? Dieser und weiteren Fragen widmete sich der Sessionsanlass der Parlamentarischen Gruppe Bildung, Forschung und Innovation (PG BFI) am 19. März 2026 in Bern. 

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bildung diskutierten, wie KI die Arbeitswelt verändert – und was das für Ausbildung und Fachkräftebedarf bedeutet.

Prof. Dr. Marcel Salathé, Co-Direktor des AI Center der EPFL, zeigte in seiner Key Note eindrücklich: KI wird viele Prozesse effizienter machen, aber nicht zwingend Jobs vernichten. Im Gegenteil: Die Annahme, dass KI tausende Stellen vernichtet, basiert auf einem klassischen Denkfehler, der ‚lump of labor fallacy‘. Denn: Arbeit ist nicht begrenzt. KI schafft neue Aufgaben und neue Expertise ist gefragt. Der Fachkräftemangel könnte sich dadurch sogar verschärfen. Entscheidend ist, dass Menschen frühzeitig Kompetenzen in KI, IT und kritischem Denken erwerben, um die Technologie als echten "Multiplikator" ihrer Fähigkeiten zu nutzen.

Nicole Koch, Geschäftsführerin von aprentas, richtete den Blick auf die Industrie. Neu ist nicht der Wandel, sondern das Tempo, hielt sie treffend fest. Besonders kritisch: Einstiegsjobs könnten teilweise wegfallen, obwohl sie die Basis für die Fachkräfte und Spezialisten von morgen sind. Umso wichtiger ist eine Weiterentwicklung der Berufsbildung. Koch unterstrich, dass die Berufsbildung Lernräume bewusst gestalten und den Kompetenzerwerb ermöglichen muss. Lernen braucht Zeit und Ausbildung bleibt eine Investition. Neben Fachwissen gewinnen Soziale Kompetenzen und Selbstkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken weiter an Bedeutung.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Rémy Hübschi (SBFI), Nicole Koch, Rudolf Minsch, (economiesuisse) und Marcel Salathé wurde deutlich: KI ist kein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel. Rudolf Minsch verwies auf die demografische Entwicklung: Bis 2035 könnten in der Schweiz rund 460’000 Arbeitskräfte fehlen. KI bietet die Möglichkeit, die Produktivität pro Mitarbeitenden zu steigern und so dem demografischen Druck entgegenzuwirken. Lebenslanges Lernen ist daher der Schlüssel, um Qualifikationslücken zu schliessen und den sich rasch wandelnden Kompetenzanforderungen gerecht zu werden. 

Auch die (Berufs-)Bildung steht vor einem Paradigmenwechsel. Klassische Modelle stossen an ihre Grenzen. Gefragt sind lebenslanges Lernen, praxisnahe Ausbildung und die Fähigkeit, sich laufend an neue Anforderungen anzupassen. KI kann dabei unterstützen – entscheidend bleibt jedoch die Qualität der Ausbildung und Praxisbezug. Die (Berufs-)Bildung muss nah an den Bedürfnissen der Wirtschaft bleiben und Reformen schneller umgesetzt werden.

 


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