Dossiers - Zollpolitik und Freihandel
Übersicht und Position zum Freihandel und internationaler Marktzugang
Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist das Zugpferd der Schweizer Exportwirtschaft. Ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit hängen entscheidend von einem offenen, globalen Marktzugang ab. Dieser wird durch verschiedene Instrumente wie multi- und plurilaterale Abkommen, Freihandelsverträge sowie bilaterale Vereinbarungen gesichert.
12.02.2026
Der Erfolg der schweizerischen chemisch-pharmazeutischen Industrie basiert in hohem Masse auf der weltweiten Vermarktung ihrer innovativen Produkte. Rund 90 Prozent ihrer Produkte werden exportiert; bei vielen Unternehmen gar über 98 Prozent. Die chemisch-pharmazeutische Industrie trägt über 50 Prozent zum Schweizer Gesamtexport bei und ist als grösste Exportindustrie der Schweiz deshalb weltweit auf den Marktzugang, auf den starken und durchsetzbaren Schutz des geistigen Eigentums sowie auf den wirksamen Schutz von Direktinvestitionen angewiesen. Die Mitgliedsunternehmen von scienceindustries verfügen über global ausgerichtete Lieferketten und unterhalten weltweit Produktions- und Forschungsstandorte, die eng miteinander vernetzt sind.
Aufgrund dieser Ausgangslage steht scienceindustries für einen weltweiten, hindernisfreien Marktzugang ein. Der möglichst ungehinderte Zugang zu ausländischen Märkten ermöglicht der Industrie die Nutzung ihres Innovationsvorsprungs und der kostensenkenden Skaleneffekte in der Produktion am Standort Schweiz. Soweit Produkte beim Grenzübertritt regulatorische Anforderungen erfüllen müssen, sollen diese entweder international harmonisiert oder gegenseitig anerkannt werden. Der Marktzugang soll rechtlich abgesichert und im Vergleich zu Mitbewerbern aus Drittstaaten besser oder zumindest diskriminierungsfrei sein.
Instrumente zur Erreichung eines weltweiten, hindernisfreien Marktzugangs
Der Aussenwirtschaft stehen diverse Instrumente zur Verfügung, um einen weltweiten Marktzugang für Schweizer Unternehmen zu erreichen: Multi- und plurilaterale Abkommen im Rahmen der WTO, umfassende Freihandelsabkommen oder bilaterale, sektorielle Abkommen. scienceindustries spricht sich mit Präferenz für den Einsatz multilateraler Instrumente aus. Bilaterale Verhandlungen sind einzusetzen, um eine gegenseitige und über die multilaterale Einigung hinausgehende Verbesserung des Marktzugangs sowie des Schutzes der Rechte am geistigen Eigentum zu erreichen. Die bilateralen Instrumente können die multilateralen Verhandlungen nicht ersetzen, da ihr Geltungsbereich konzeptionell durch Ursprungsregeln festgelegt wird, deren Einhaltung und Kontrolle erhebliche administrative Kosten verursachen. Bilaterale Instrumente sind folglich nicht substituierend, sondern komplementär zu multilateralen Mechanismen zu sehen.
scienceindustries unterstützt die Bemühungen der schweizerischen Behörden zur Schaffung eines Netzes von Freihandelsabkommen (FHA) – innerhalb des EFTA-Verbundes oder bilateral als Schweiz. Für jedes einzelne FHA sollen die Verfahren zur Ursprungsbestimmung und Ursprungskontrolle möglichst einfach und vereinheitlicht sein. Das Schutzniveau beim geistigen Eigentum soll dem schweizerischen Standard entsprechen. Der erleichterte Marktzugang soll umfassend sein und zeitnah umgesetzt werden. Wo Letzteres nicht möglich ist, sollen kurze Übergangsfristen vereinbart werden. Die konkreten Forderungen der Industrie sind im Positionspapier "Free Trade Agreements (FTA): Objectives of scienceindustries" festgehalten.
Freihandelsabkommen: Qualität der Abkommen wichtig
Die Schweiz verfügt - neben der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) - gegenwärtig über ein Netz von 35 Freihandelsabkommen mit 45 Partnern. Die Abkommen werden normalerweise im Rahmen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) abgeschlossen. Dennoch hat die Schweiz die Möglichkeit, Freihandelsabkommen auch ausserhalb der EFTA abzuschliessen, wie dies bei Japan oder China der Fall war. Die in Kraft getretenen Freihandelsabkommen decken rund 72 Prozent der Exporte ab. Diese beiden Abkommen eröffnen Schweizer Unternehmen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.
Besonders bedeutend sind die Abkommen mit der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), die den Handel erleichtern und Zölle abbauen. In der Prioritätenliste für neue Abkommen stehen die USA sowie Australien im Fokus. Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten gelangt bald ins Parlament.
scienceindustries setzt sich für die Fortführung und den Ausbau von umfassenden Freihandelsabkommen ein. Dabei gilt es, die Qualität der Abkommen vor der Geschwindigkeit des Abschlusses zu priorisieren. Um die verhandelten Abkommen auch ihrer Nutzung zuzuführen, müssen ein umfassender Marktzugang, moderne und einfach anzuwendende Ursprungsregeln sowie der Schutz des geistigen Eigentums gewährleistet sein. In Kraft getretene Abkommen der früheren Generationen müssen den heutigen Gegebenheiten angepasst und modernisiert werden, um deren Bedeutung aufrecht zu halten.
Ausblick: Zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen
In den kommenden Jahren wird die Schweizer chemisch-pharmazeutische Industrie mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert sein. Der internationale Wettbewerb wird intensiver, während gleichzeitig die regulatorischen Anforderungen und protektionistische Tendenzen weltweit steigen. Die Ausgestaltung der Zollpolitik und der Zugang zu internationalen Märkten werden für die Zukunft entscheidend sein. Die Sicherstellung optimaler Rahmenbedingungen im Inland ermöglichen den Unternehmen in der Schweiz, im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Es bleibt abzuwarten, wie sich geopolitische Entwicklungen und der zunehmende Protektionismus auf die globalen Lieferketten auswirken werden. Eine Diversifizierung der Lieferketten und der Märkte scheint angebracht, um auch in Zukunft den Herausforderungen gewachsen zu sein und die Schweiz als Wirtschafts-, Produktions- und Arbeitsstandort zu sichern.